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Drogen (Imabe-Info 3/99)

Das Ausmaß des Drogenkonsums

Weltweit konsumieren geschätzte 200 Mio. Menschen - zumindest zeitweilig (mindestens einmal pro Jahr) - illegale Drogen. In den USA hat das Ausmaß des Drogenmißbrauchs - insbesondere des Kokainmißbrauchs - in der Mitte der 80er Jahre seinen Höhepunkt erreicht und ist jetzt wieder im Abklingen begriffen. Dieser Erfolg kam allerdings nicht von ungefähr.

In Österreich ist die Zahl der Drogentoten seit Beginn der 90er rasant gestiegen (1989 waren es 83, 1994 250 Drogentote; erst in den Folgejahren war wieder ein Rückgang zu bemerken auf 172 im Jahre 1997)1. Die meisten Drogentoten in Österreich stehen mit dem Konsum von Heroin in Verbindung.

Die höchsten Zuwachsraten im letzten Jahrzehnt – sowohl in Österreich als auch in Europa - betrafen den Gebrauch von synthetischen Drogen, insbesondere Ecstasy (MDMA) und Amphetaminen.

Die sozialen Kosten des Drogenmißbrauchs sind erschreckend hoch. Ein Großteil der Todesfälle durch absichtliche Gewalttaten und ein hoher Prozentsatz an Todesfällen durch unabsichtliche Gewalttaten (Autounfälle, Brände, Ertrinken) stehen in Verbindung mit Rauschgift.

Auch AIDS und Hepatitis breiten sich schnell unter Drogensüchtigen aus.

Drogenmißbrauch am Arbeitsplatz bedeutet hohe Personalfluktuationsraten. Drogen zeichnen verantwortlich für Bandenkriege, korrupte Wirtschaftsunternehmen, Angst, Unsicherheit auf der Straße, von den vielen zerrütteten Familien ganz zu schweigen.

Was sind Drogen?

Der Begriff Droge ist ein Lehnwort des französischen "drogue", was so viel bedeutet wie "trockener, tierischer oder pflanzlicher Rohstoff". Das deutsche Wörterbuch weist für den Begriff Droge folgende Erklärung auf: "pflanzlicher, tierischer od. mineralischer Rohstoff für Heilmittel, Stimulanzien od. Gewürze" sowie "Rauschgift: harte, weiche"2.

Man kann "legale" und "illegale" Drogen unterscheiden. Zu den "legalen" Drogen zählen Alkohol, Nikotin und verschiedene Medikamente. Wegen ihrer stimulierenden Wirkung sollen hier auch Koffein und Thein genannt werden. Unter die "illegalen" Drogen fallen Opiate, Kokain, Halluzinogene, Cannabisprodukte (z.B. Marihuana, Haschisch), synthetische Drogen und nicht verordnete Medikamente.

Haschisch und Marihuana, gefolgt von Amphetaminen und Amphetaminderivaten (z.B. Ecstasy) und Kokain sind die am weitesten verbreiteten illegalen Substanzen in Österreich und Europa. Die Anzahl der Heroinkonsumenten ist im Vergleich relativ gering. Dennoch ist Heroin in Europa die Problemdroge Nummer 1. Heroin ist für die meisten Fälle in den Drogenambulanzen und Drogentherapien und für die meisten Drogentoten verantwortlich. Drei Viertel aller drogenbedingten Behandlungen in Therapieeinrichtungen in Europa sind auf Heroinkonsum zurückzuführen.

Was bewirken Drogen?

Was die Wirkungsweise der einzelnen Drogenarten betrifft, haben LSD, und in einem geringeren Maße auch die Cannabisprodukte (Haschisch und Marihuana) halluzinogene Wirkungen. Heroin und Morphin wirken stark dämpfend bis euphorisierend; Kokain sowie Amphetamin wirken aufputschend, ebenso Ecstasy und diverse Designerdrugs; die letzteren Substanzen haben darüber hinaus auch noch halluzinogene und diverse andere Wirkungen.

Aufgrund der Vielschichtigkeit der Drogenwirkungen auf Körper und Psyche kommt es auch zu vielen verschiedenen körperlichen und psychischen Reaktionen. Einige davon seien hier angeführt: Schädigung des Gehirns (und damit Einschränkung der Wahrnehmung, der Lernfähigkeit und Aufmerksamkeit), Schädigung der Atemwege, des Immunsystems, des Hormonsystems; im psychischen Bereich kommt es zu Depressionen, Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit, Angstzuständen und Verfolgungswahn.

Zusammenfassend kann man festhalten: Drogen verändern Strukturen oder Funktionen im lebenden Organismus, wobei sich diese Veränderungen insbesondere in den Sinnesempfindungen, in der Stimmungslage, im Bewußtsein oder in anderen psychischen Bereichen bemerkbar machen.

Was ist Drogenabhängigkeit?

Die wiederholte und dauernde Anwendung einer Droge führt zu einer stabilen Anpassung, die ihre Wirkungen ausgleicht und dem Organismus eine regelmäßige Funktion ermöglicht. Dadurch verliert die Droge allmählich ihre Wirksamkeit oder wirkt im Laufe der Zeit nur bei Dosierungen, die höher sind als die anfänglichen; deshalb kommt es zur Dosissteigerung. Wenn die Verabreichung ausbleibt, kommt es dann zu einer sog. Abstinenzkrise, da die physiologischen Anpassungen überschießen und nicht mehr durch die Droge ausgeglichen werden. Es kommt zur Abhängigkeit.

Sucht wird definiert als "ein übermäßiges Verlangen nach dem suchtverursachenden Stoff mit einer Tendenz zur Erhöhung der Dosis, verbunden mit psychischer und körperlicher Abhängigkeit"3.

a) Die psychische Abhängigkeit äußert sich in einem massiven Verlangen nach ständiger oder episodischer Zufuhr eines Suchtstoffes ("Gier"). Sie kann sich langsam (z.B. Beruhigungsmittel, Alkohol) oder relativ schnell (z.B. Kokain, Opiate, morphinhaltige Schmerzmittel) entwickeln. Ein häufiges Phänomen der psychischen Abhängigkeit ist das Auftreten von mehr oder minder schweren Depressionen und Suizidgedanken beim Absetzen der Droge (insbesondere bei Kokain und bei den Amphetaminen, und z.T. auch bei Ecstasy).

Je schneller die Substanz zum Gehirn führt, desto grösser ist die Euphorie und umso wahrscheinlicher ist eine Abhängigkeit.

Es gibt Berichte, denen zufolge der Konsum von Kokain, intranasal eingenommen, in einigen Fällen bis zu 3 Jahren mehr oder minder kontrollierbar blieb, während Kokain, geraucht, im Regelfall schon nach wenigen Monaten abhängig macht. Intravenöser Drogenkonsum ist meistens die schnellste süchtigmachende Methode. Drogenkonsumenten steigen im Regelfall erst nach einiger Zeit auf intravenöse Administration um.

b) Die physische Abhängigkeit ist durch Entzugserscheinungen (Abstinenzsymptome) nach Absetzen oder auch nur Dosisreduktion charakterisiert. Es handelt sich bei den Entzugserscheinungen hauptsächlich um Schmerzen an den Gliedmaßen, Krämpfe, Schüttelfrost, etc. Die Entzugserscheinungen verschwinden nach (ausreichender) erneuter Dosierung aus der gleichen (oder ähnlichen) Suchtstoffklasse. Die physische Abhängigkeit ist zu erwarten bei Opioiden (als Rauschdrogen oder Schmerzmittel), Barbituraten (früher häufig gebraucht als Schlafmittel), barbituratähnlichen Substanzen und Benzodiazepinen (Beruhigungsmittel, moderne Schlafmittel, die ein im Vergleich zu den Barbituraten geringeres Suchtpotential aufweisen). Das Ausmaß der Entzugserscheinungen hängt von der Droge, der Höhe der Dosis und der Dauer der Exposition ab. Selbst kleine Dosen, ausreichend lang eingenommen, können körperlich abhängig machen.

Was ist Cannabis und wie wirkt es?

Der Konsum von Cannabis nimmt bei den Jugendlichen rasant zu. In Österreich hat sich die Zahl der Fälle an Cannabis-Mißbrauch vervierfacht (von 3.901 bekannten Fällen im Jahr 1989 auf 16.376 im Jahr 1998).4

Aus der Cannabispflanze (Hanfpflanze) werden Marihuana (getrocknete Blätter) und Haschisch (gepreßtes Harz der Blüten) gewonnen. Je nach Herkunft und Sorte gibt es große Unterschiede im Rauschgiftgehalt.

Durch gezielte Züchtung enthält Marihuana heute bis zu 10 mal mehr rauscherzeugendes Tetrahydrocannabinol (THC) als vor 20 Jahren5. Desto größer ist dadurch auch das potentielle Ausmaß der Gesundheitsschädigung.

Cannabis besteht aus über 360 verschiedenen chemischen Substanzen, von denen THC die wichtigste rauschgifterzeugende ist. Es wird im Fettgewebe eingelagert und bleibt daher viel länger im menschlichen Körper als Alkohol. Nach einer einzigen Haschischzigarette braucht es bis zu einer Woche, üblicherweise 3 bis 4 Tage, bis die Hälfte des THC abgebaut ist. Der vollständige Abbau dieses Schadstoffes braucht etwa einen Monat. Das bedeutet, daß auch Wochenendkonsumenten oft nie wirklich drogenfrei sind.

THC bindet sich besonders an Rezeptoren im Gehirn, und zwar in jenen Bereichen, die für Wahrnehmungs- und Erkennungsprozesse, am Gedächtnis, an der Gemütsverfassung, an höheren intellektuellen und motorischen Funktionen beteiligt sind. Störungen im Denkvermögen, der Aufmerksamkeit und dem Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen die Schulausbildung, das Berufsleben. Häufige Folgeerscheinungen sind auch Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit beim Erledigen bestellter Aufgaben bzw. im sozialen Umfeld (Passivität und Gleichgültigkeit in Familien-, Freundschaftsbeziehungen, Freizeitgestaltung etc.). Insbesondere die Bewältigung komplexer Aufgabenstellungen können durch den langfristigen Gebrauch von Cannabis beeinträchtigt werden.

Cannabiskonsum beeinträchtigt häufig auch noch das Immunsystem, die Lunge und die Bronchien. Darüber hinaus können auch das Herz, sowie hormonproduzierende- und Fortpflanzungsorgane in Mitleidenschaft gezogen werden.

Heroin - eine der schädigendsten Rauschgiftarten

Heroin wird aus Schlafmohn gewonnen und ist ein Rauschgift, das in kurzer Zeit zu schwerer Abhängigkeit führt. Der Süchtige benötigt immer häufiger, immer größere Mengen davon. Ansonsten treten unangenehme Entzugssymptome auf.

Heroin entfaltet seine Wirkung an den Opiatrezeptoren, den natürlichen Bindungsstellen für körpereigene Substanzen (Endorphinen). Da diese Rezeptoren im menschlichen Körper in großer Zahl und an vielen Organen vorhanden sind, kommt es zu zahlreichen verheerenden Folgeschäden. Dazu zählen Herabsetzung der Schmerzempfindung, Appetitmangel und Gewichtsabnahme, Lungenschäden, Nachtblindheit, chronische Verstopfung, Schwächung des Immunsystems, Frühgeburten, heroinsüchtige Neugeborene, Herabsetzung des Reaktionsvermögens (Gefahr für den Straßenverkehr!) und Lähmung des Atemzentrums, was zum Tod durch Ersticken führen kann.

Auf psychischer Ebene kommt es zu schweren Schädigungen der Persönlichkeit durch die alles dominierenden Suchtmechanismen ("Persönlichkeitszerfall"). Heroinsüchtige verlieren das Verantwortungsgefühl für sich und andere. Sie kapseln sich ab und beschränken sich immer mehr auf oberflächliche Kontakte im Drogenmilieu. Folgen davon sind Schul- und Lehrabbruch, Stellenverlust, Verlust der Fähigkeit, den gelernten Beruf auszuüben und schließlich Arbeitsunfähigkeit. Natürliche Hemmschwellen bauen sich ab. Angehörige und Bekannte werden belogen und bestohlen. Aufgrund des Abbaus aller Hemmschwellen werden kriminelle Handlungen und Prostitution zur Geldbeschaffung möglich. Je länger der Drogenkonsum dauert, desto schwieriger wird der Ausstieg aus der Sucht. Die Sterblichkeitsrate sowie die Selbstmordrate ist bedeutend höher als bei nichtsüchtigen Gleichaltrigen.

"Freizeitdroge" Kokain

Kokain ist nach wie vor eine Droge der oberen Mittelklasse, obgleich der Konsum zunehmend auch in untere Klassen hineinreicht, und in Europa bereits mehr verbreitet ist als Heroin (allerdings immer noch deutlich weniger als in den USA). Es ist vielfach eine Freizeitdroge, die mit risikoreichem Verhalten einhergeht (gefährliche Sportarten, schnelle Autos, häufiger Wechsel von Partnern etc.), aber auch eine gängige Droge in der Medien- und Unterhaltungsbranche wie im Finanzsektor. Der Konsum ist in all diesen Bereichen relativ stabil. Daneben findet sich Kokain häufig bei Prostituierten. Im klassischen Drogenmilieu ist Kokain zumeist bloß eine Zweitdroge. Die Wachstumsraten liegen am ehesten bei jungen Erwachsenen der "Ecstasy"-Generation, die nun auch mit Kokain zu experimentieren beginnen.

Therapieschwerpunkte

Prävention, Therapie und Rehabilitation der verschiedenen Suchtformen haben je nach persönlichen und institutionellen Faktoren spezielle Schwerpunkte. Das gemeinsame Konzept schließt folgende Schritte ein6:

1. Therapievorbereitung (meist ambulant) mit dem Ziel der Beratung, Motivation, Diagnose, Vorbereitung auf die Behandlung etc.

2. Entgiftungsbehandlung (stationär) mit dem Ziel der körperlichen Entgiftung, Diagnose und Therapie somatischer Begleiterscheinungen, erste psychotherapeutische Maßnahmen.

3. Entwöhnungsbehandlung (meist stationär) mit dem Ziel der Therapie psychischer Störungen, Rückfallvorsorge und dem Aufbau von Alternativen in wichtigen Lebensbereichen.

4. Nachsorgebehandlung (ambulant, teilweise-stationär) mit dem Ziel der Krisenbewältigung im Alltag, evtl. Weiterbehandlung.

Wirkliche und dauerhafte Hilfe erhalten Drogensüchtige in den auf Abstinenz basierenden therapeutischen Einrichtungen. Die Erfolgszahlen der verschiedenen Therapieinstitutionen unterscheiden sich nicht wesentlich. Mit einer abstinenten Therapie kann bei rund 50 bis 60% der Drogensüchtigen nachhaltig geholfen werden, obgleich vielfach mehrere Entzüge und Therapien erforderlich sind, bis ein nachhaltiger Erfolg eintritt. Im Durchschnitt bleibt ein Drittel der ehemaligen Süchtigen stabil und drogenfrei. Ein weiteres Drittel ist zwar stabil, hat aber gelegentlich einen Rückfall. Ein Drittel der Behandelten nimmt den Drogenkonsum wieder auf.7

Die Abbruch- und Rückfallrate ist hoch. Die Drogensucht ist jedoch kein unabänderliches Schicksal, dem der Betroffene hilflos ausgeliefert ist.8

Therapeutische Maßnahmen sollten nicht erst ergriffen werden, wenn jemand heroin- oder kokainsüchtig ist. Früherfassung von Jugendlichen, die beginnen, Drogen wie Cannabis zu konsumieren, und frühzeitige abstinenzorientierte Behandlung und Betreuung sollten in jedem Land zur Regel werden.

Ersatzdrogen und suchtverlängernde Maßnahmen müssen Abstinenz zum Ziel haben

Methadon wird den Heroinsüchtigen als Ersatzstoff abgegeben. Es handelt sich um ein synthetisches Opiat, das fast 24 Stunden wirkt. Deshalb genügt die Einnahme einer einzigen täglichen Dosis. Das Medikament besetzt die Opiatrezeptoren im Gehirn und verhindert somit das Verlangen nach Opiaten. Einerseits fördert das Methadonprogramm die Stabilität des Drogenabhängigen, was die Loslösung von der "Drogenszene" begünstigt. Auch das Problem der Beschaffung der Droge und die damit verbundene Geldsorge wird beseitigt, da diese Droge in Drogenberatungsstellen zu deutlich niedrigeren Kosten als der Heroin-Schwarzmarktpreis erhältlich ist. Es gibt auch Gegner des Methadon-Programmes, die diesen Weg jedoch ablehnen, da Methadon ebenfalls Sucht hervorruft. Außerdem wird die Motivation der Süchtigen zum Ausstieg geschwächt. Methadon-Programme haben Sinn, wenn sie in gut kontrolliertem Rahmen erfolgen und Abstinenz zum Ziel haben.9

Globale Maßnahmen werden verschärft

Auf internationaler Ebene hat sich Ende des 19. Jahrhunderts eine Anti-Drogen-Bewegung im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Opiumsucht in China formiert, die zu ersten Anti-Drogen-Abkommen im Jahr 1912 und weiteren Abkommen während der Zeit des Völkerbundes führte, wodurch der legale Drogenhandel eingeschränkt und kontrolliert wurde. 1961 wurden die verschiedenen Abkommen in der "Single Convention", die Produktion, Handel und Konsum von Drogen auf pflanzlicher Basis (Opium, Morphine, Heroin, Kokain) regelt, vereinheitlicht. 1971 wurde eine eigene Konvention für Psychotrope (synthetische Drogen) geschaffen, und 1988 eine Konvention, die sich mit Maßnahmen gegen den illegalen Handel, inklusive chemischen Vorläufersubstanzen, und Geldwäsche beschäftigt. In der Folge wurde 1991 zur internationalen Koordination, Überwachung und Durchführung der internationalen Abkommen und aller UN Drogenkontroll-Projekte eigens ein Programm eingerichtet, das United Nations International Drug Control Programme (UNDCP), mit Hauptsitz in Wien. Dieses hat sich ganz bewußt eine "drogenfreie Welt" zum Ziel gesetzt. Es richtet sich einerseits mit Forschungs- und Aufklärungsprojekten direkt an die Bevölkerung, um vor den Gefahren der Drogen zu warnen und einem Mißbrauch vorzubeugen. Vor allem in Entwicklungsländern, die mit einer Vielzahl von sozialen Problemen zu kämpfen haben, hilft UNDCP mit Präventionsmaßnahmen und Unterstützung von Therapieeinrichtungen. Weitere zentrale Aufgabengebiete sind juristische Hilfe bei der Gesetzgebung, Grenzschutz (Kooperation der Grenzorgane und Polizeikräfte, unabhängig von sonstigen Konflikten zwischen Nachbarstaaten), und Produktionseinschränkung. Auf Grund eines UNDCP-Projekts in Laos z.B. wurde der Mohn durch alternative Pflanzungen wie Kaffee und Spargel ersetzt. Das Resultat: Die Opiumproduktion sank im Projektgebiet von 3,5 Tonnen auf 100kg jährlich. Weitaus bedeutender aus internationaler Sicht war der Rückgang der Opiumproduktion in Pakistan. In diesem einst bedeutenden Opiumproduzenten (etliche hundert Tonnen zu Beginn der 80er Jahre), konnte die Produktion mit Hilfe von UNDCP Alternative Development Programmen um weit mehr als 90% verringert werden. Um den Drogenfluß von Asien nach Europa zu stoppen, hat das UNDCP regionale Abkommen eingeführt, um Drogengesetze effizienter zu implementieren, und die Länder in ihren Bemühungen zu stärken, durch koordinierte Vorgangsweisen, Drogenhändlerringe auszuheben. Darüber hinaus ist UNDCP auch an der Entstehung eines internationalen Konsenses über die Zielrichtung der Drogenpolitik interessiert. Auf der im Juni 1998 stattgefundenen speziellen Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, verpflichteten sich die teilnehmenden Staaten zu einem umfassenden Aktionsprogramm, das parallel zu verstärkten weltweiten Maßnahmen zur Nachfragereduktion auch die Eliminierung (oder zumindest deutliche Reduktion) des Drogenanbaues bis zum Jahr 2008 vorsieht. UNDCP unterstützt dabei die Regierungen, die notwendigen Sponsorengelder für alternative Entwicklungsprogramme aufzubringen, um langfristig zufriedenstellende Alternativen zum Kokainanbau zu ermöglichen.

Der Kern des Erfolges dieser Strategie steht und fällt jedoch mit der Fähigkeit von Regierungen und Gesellschaft, den Drogenkonsum effektiv zu reduzieren. Dazu bedarf es jedoch nicht primär weitergehender repressiver Maßnahmen, sondern eines durchgehenden Bewusstseinswandels in der Gesellschaft, basierend auf der Besinnung ethischer Grundlagen, die es zu internalisieren gilt.

Ethische Schlußbemerkung

Zur sittlichen Beurteilung des Drogenkonsums muß das Integritätsprinzip herangezogen werden, demzufolge der Mensch sich nicht ohne ausreichenden Grund zeitweilig, nachhaltig oder endgültig eine körperliche oder geistige Funktion, die von seiner Natur her zur Erhaltung vorgesehen ist (z.B. Betäubung, Verstümmelung), beeinträchtigen darf. Das Totalitätsprinzip bietet aber einen Ausgleich dazu, d.h. es liefert einen Grund, um das Integritätsprinzip außer Kraft zu setzen: Der Mensch darf einen Teil schädigen, wenn er dadurch die Ganzheit (Totalität) rettet; so kann manchmal die Entfernung lebensbedrohend infizierter Organe zur Lebensrettung ethisch statthaft sein. Ebenso ist es natürlich erlaubt, Drogen als Schmerzmittel einzunehmen, wenn diese infolge einer schweren Erkrankung unerträglich wird. Die Einnahme von Drogensubstanzen mit dem Zweck der Linderung von schweren Schmerzen führt in der Regel nicht zur Abhängigkeit.

Daher ist festzuhalten:

1. Drogenkonsum ist immer eine Art der Selbstzerstörung und ein Aufgeben der menschlichen Würde.

2. Selbstzerstörung und Aufgeben seiner Würde beeinträchtigen nicht nur das körperliche und seelische Wohlergehen, sondern engen den Menschen in seiner Fähigkeit zu Gemeinschaft und Hingabe ein. Indem der Mensch beginnt, Drogen zu nehmen, beginnt ein Zerstörungsprozeß des Familienlebens (Mißbrauch des Vertrauens, Entfremdung, Diebstahl, Schande, psychische Belastung etc.). Die Zersetzung der Familie wirkt sich unweigerlich auf ihr gesellschaftliches Umfeld aus.

3. Die Drogenproblematik darf nicht auf eine individualethische Problematik reduziert bleiben. Manchmal werden Menschen durch die Brutalität der Gesellschaft an den Rand gedrängt und entdecken im Drogenkonsum eine Art Trost. Es ist nicht damit getan, Drogenkonsum zu verbieten und die Drogenproduktion einzudämmen. Vielmehr soll das Drogenphänomen auch dazu führen, daß die Gesellschaft über die sozialen Ursachen der Entstehung des Phänomens nachdenkt und Konsequenzen zieht.

Der Genuß von Drogen führt fast unweigerlich zu schweren Schädigungen der Gesundheit und des menschlichen Lebens. An sich ist es nicht zulässig, ohne ausreichenden Grund absichtlich sein Leben zeitweilig oder endgültig zu beeinträchtigen. Beispielsweise ist eine Betäubung oder Verstümmelung, ohne auf einen medizinischen Grund zurückgreifen zu können, vom ethischen Standpunkt aus nicht zu rechtfertigen. Drogensucht führt aber, wie bereits erläutert, in den allermeisten Fällen zu Persönlichkeitszerfall, Charakterlosigkeit und in der Folge zu ernsthaften Organschäden, sogar bis zum Tod.

Die rein medizinische Anwendung von Drogen zur Schmerzausschaltung unterliegt naturgemäß anderen sittlichen Kriterien.

Referenzen

  1. Österreichisches Innenministerium
  2. Duden, Deutsches Universalwörterbuch, Mannheim: Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1989: 366
  3. Grigolei H., Wenig M., Ziegler H., Handbuch Sucht, Asgard: Sankt Augustin, 1989: 5
  4. UNDCP, Annual Reports Questionaire, Österr. Innenministerium
  5. Aus dem Faltblatt "Cannabis", hrsg. von den "Schweizer Ärzten gegen Drogen", Zürich 1999
  6. Modifiziert nach Bühringer 1981, in: Eser A., von Luterotti M. et al. (Hrsg.), Lexikon Medizin - Ethik - Recht, Freiburg im Breisgau: Herder, 1989: 1124
  7. ibidem
  8. Vuilleumier J.-P., Drogensuch ist kein Schicksal, Zeit-Fragen 1999, 5: 11
  9. Aus dem Faltblatt "Heroin", s. o.

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Redaktion: E. M. Cech

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