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Juli 2008

Euthanasie: Deutscher Ex-Senator leistet gesunder Frau Beihilfe zum Selbstmord

Kusch wollte Präzedenzfall schaffen, 79-Jährige hatte panische Angst vor dem Altersheim

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat nach eigenen Angaben eine körperlich und geistig weitgehend gesunde 79-jährige Frau Ende Juni zum Suizid verholfen. Der Fall hatte bei Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft scharfen Protest ausgelöst. Kusch, der erst vor wenigen Monaten mit dem von ihm entwickelten so genannten „Tötungsautomaten“ Aufsehen erregte, habe „nach Klärung der Rechtslage in Deutschland“ erkannt, dass Sterbewillige für einen „assistierten Suizid“ nicht in die Schweiz fahren müssten, wo aktive Sterbehilfe erlaubt sei.

Das Motiv für die Selbsttötung der 79-Jährigen ehemaligen Krankenschwester sei die „grauenvolle panische Horrorvision“ der Einsamkeit in einem Pflegeheim gewesen, sagte Kusch. Sie habe sich nach Rücksprache mit ihm die nötigen Medikamente besorgt und selbst eingenommen. Als die Frau schon im Sterben lag, habe Kusch die Wohnung verlassen, während des Sterbens aber eine Videokamera mitlaufen lassen.

Nach dem Skandal um den Ex-Justizsenator wollen die deutschen Bundesländer gewerbliche und organisierte Sterbehilfe verbieten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nannte Kuschs Vorgehen „makabere Propaganda“ und sprach sich gegen Euthanasie aus. Der richtige Weg seien Hilfsangebote für sterbende Menschen. Unterdessen wurde bekannt, dass der Fall vorerst ohne rechtliche Konsequenzen bleibt. Die Staatsanwaltschaft Würzburg schließt eine „rechtlich relevante Fremdbeteiligung“ im Zusammenhang mit der verstorbenen Frau aus. Nach dem derzeitigen Ergebnis des Todesermittlungsverfahrens habe es sich um einen „normalen Suizid“ gehandelt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will nach der umstrittenen Sterbehilfe durch Kusch eine Verschärfung rechtlicher Vorgaben prüfen lassen. Sie sei „absolut gegen jede Form der aktiven Sterbehilfe, in welchem Gewand sie auch immer daherkommt“, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online 03. 07. 2008) Dem ehemaligen CDU-Senator (2001 – 2006), der die Partei vor zwei Jahren verlassen hatte, droht eine Kürzung oder Aberkennung seiner Pension.

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