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Juli 2008

Stammzellen: Fortschritt bei Gewinnung von ethisch sauberen Alleskönner-Zellen

Deutsche Forscher verjüngen adulte Stammzellen ohne gefährlichen Gen-Cocktail

Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster scheint ein weiterer Schritt zur Erzeugung neuer Stammzellen mit embryonalen Eigenschaften gelungen zu sein, ohne dafür die ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen verwendet zu haben, berichtet die FAZ (online, 9. Juli 2008). Es handelt sich dabei um aus Hoden gewonnene und in der Kulturschale reprogrammierte Keimbahn-Stammzellen, so genannte „Germline derived pluripotent stem cells“ (gPS). Allerdings gelang es bereits im Jahr 2006 einer Arbeitsgruppe in Göttingen, pluripotente Stammzellen aus adultem Hodengewebe zu gewinnen (Nature 2006; 440: 1199-1203), weshalb Schölers Kollegen auf dessen Ausführung irritiert reagierte, so die Süddeutsche Zeitung (online, 11. Juli 2008). Schöler hatte Anfang Juli auf einem Internationalen Stammzellenkongress in Dresden seine noch unpublizierten Forschungsergebnisse an diesen Stammzellen präsentiert, die vor allem hinsichtlich der Einfachheit ihrer Herstellung und ihrer Sicherheit möglicherweise alle bisher künstlich reprogrammierten Zellen übertreffen. Bislang wurden mindestens zwei bis vier Gene benötigt („Gen-Cocktail“), die den Reprogrammierprozess zur Verjüngung der Zellen anstoßen und Körperzellen in pluripotente Stammzellen umwandeln. Diese in die Zellen eingebauten Steuerungsgene können allerdings fatale Programmierfehler mit sich bringen und bedeuten ein erhebliches Krebsrisiko. Demgegenüber lassen sich die neuen gPS-Zellen nach Angaben der Forscher völlig ohne Gen-Eingriff und Viren gewinnen – allerdings bisher nur bei Zellen der Maus. Dem deutschen Team sei es damit erstmals gelungen, „adulte Körperzellen direkt und ohne Viren in pluripotente Stammzellen umgewandelt zu haben“, sagte Schöler gegenüber der FAZ. Die Gewinnung von Alleskönner-Zellen ohne Gen-Cocktail bedeutet wegen geringeren Krebsrisikos einen Fortschritt gegenüber den vom japanischen Forscher Yamanaka erzeugten, ebenfalls ethisch sauberen induzierten pluripotenten Stammzellen (ipS) (vgl. IMABE-Newsletter Dezember 2007).

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