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Dezember 2008

Neuro-Doping: Nature empfiehlt Recht auf leistungssteigernde Medikamente

Kritiker werfen Wissenschaftlern Eigeninteressen vor

Forscher entdecken den Reiz des Neuro-Dopings. In einem Kommentar Anfang Dezember in Nature (doi:10.1038/456702 a) fordert eine Gruppe von Wissenschaftlern, dass jeder geistig zurechnungsfähige Erwachsene das Recht haben soll, mit Hilfe von Medikamenten seine kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Unter den sieben Autoren des Manifests, zumeist Neurobiologen und Bioethiker amerikanischer Universitäten, ist auch Nature-Chefredakteur Philipp Campbell.

Schon heute, schreiben die Autoren, würden geschätzte sieben Prozent der US-amerikanischen College-Studenten verschreibungspflichtige Medikamente nutzen, um damit ihre Aufmerksamkeit und ihre Erinnerungsfähigkeit zu steigern. Sie seien Trendsetter einer Gesellschaft, in der das Doping des Denkapparats selbstverständlich sein werde: „Kognitives Enhancement hat Individuen und der Gesellschaft viel zu bieten“, so die Nature-Autoren. Auch Doping sei nur Mittel wie „die Schrift, das Drucken und das Internet“, mit denen unsere so einmalig innovative Spezies versuche, sich selbst zu verbessern. Im Fokus stehen derzeit vor allem zwei Substanzen: Modafinil (Vigil®), das gegen krankhafte Schläfrigkeit entwickelt wurde, und Methylphenidat (Ritalin®), das normalerweise bei Kindern mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) eingesetzt wird. Beide sollen Konzentration, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit steigern. Dabei sei bei vielen Substanzen die Wirkungsweise im Gehirn noch weitgehend unverstanden bzw. nicht nachgewiesen, streicht Tanja Krämer in spektrumdirekt (online, 08. 12. 2008) hervor. Sie kritisiert „indirekten Zwang zum Konsum der Hirnstimulanzien“, die als „schöne neue Bildungswelt“ verkauft würden. Dass die in Nature so prominent platzierte Forderung auch von ganz eigenen Interessen der Autoren geleitet ist, hält der Psychiater Claus Normann von der Uniklinik Freiburg gegenüber der Süddeutschen Zeitung (online, 11. 12. 2008) für nahe liegend. Tatsächlich beziehen zwei von ihnen Geld von mehreren Pharmafirmen. Es sei ein offenes Geheimnis, dass die Entwicklung von Lifestyle-Medikamenten ein gutes Geschäft verspricht. Die Zukunft des Pharmamarktes seien nicht die Kranken, sondern die Gesunden.

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