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Jänner 2009

Studie: Geschäft mit fragwürdigen Stammzelltherapien ist voll im Gange

Forscher warnen vor Online-Angeboten selbsternannter Stammzell-Kliniken

Von Science wurde die Verjüngungskur für Zellen, die der japanische Forscher Shinya Yamanaka 2006 entdeckte und die 2008 abermals rasante Weiterentwicklungen erlebte, als der wissenschaftliche „Durchbruch des Jahres 2008“ (2008; 322: 1766-1767) gefeiert. Klar ist, dass es sich hierbei um Grundlagenforschung handelt, klinisch gesicherte Therapien sind noch nicht am Markt. Dennoch: Der Glaube an die Heilwirkung der Stammzellen ist nach wie vor groß – und das fragwürdige Therapieangebote nicht weit, wie eine Studie jetzt zeigt. Kanadische Wissenschaftler analysierten die im Internet verbreiteten Angebote von 19 selbsternannten Stammzell-Kliniken und berichteten von den teils skurrilen Botschaften in Fachjournal Cell Stem Cell (2008: 3(6): 591-594). Acht der 19 Kliniken bieten die Dienste zu kosmetischen Zwecken an. Aber auch Stammzellen-Therapien gegen Alzheimer oder Parkinson werden generell als sicher und effektiv dargestellt, als ob sie schon Routine wären, kritisieren Darren Lau und seine Kollegen von der Universität Alberta. Dabei existieren beispielsweise bislang keine anerkannten Studien zum Einsatz von Stammzellen bei Alzheimer- oder Parkinson-Patienten. Erst bei Multipler Sklerose und Herzinfarkt weisen Forschungsergebnisse auf einen möglichen Nutzen der Stammzelltherapie hin. Spitzenreiter bei den Angeboten ist China, wo sich alleine vier Kliniken befinden. So wirbt das Pekinger Institut für NRRFR (Neuro-Regeneration, Repair and Functional Recovery) mit einer Injektion der Stammzellen ins Gehirn. Die ukrainische Klinik EmCell bietet „Anwendung der embryonalen Stammzellen in vivo an, um Leute ihre Gesundheit verbessern (zu) helfen“. Man spricht von bislang 5000 Transplantationen embryonaler Stammzellen. Auch ein deutsches Unternehmen wird in der Studie genannt, das XCell-Center in Köln. Seit der Gründung im Januar 2007 will man dort mehr als 750 Patienten behandelt haben und damit beispielsweise Morbus Parkinson- oder Alzheimer-Patienten geheilt haben. 80 Prozent der Webseiten betonen ausschließlich das große Potenzial einer Stammzellen-Kur, wie die kanadischen Forscher laut Telepolis (online, 14. 12. 2008) beobachteten. Nur drei Seiten beschäftigen sich auch eingehender mit den Risiken einer Behandlung. Von Nebenwirkungen oder nicht gesicherten Wirkungen werde kaum etwas erwähnt, kritisieren die Autoren. Das eigentliche Problem aus Sicht der kanadischen Forscher: Die Heilungsversprechen sind übertrieben, die Einsatzmöglichkeiten vage gehalten und der Preis für die so genannten Therapien hoch. Im Durchschnitt verlangten die fragwürdigen Stammzell-Heiler 15.000 Euro für ihre Dienste.

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