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März 2009

Public Health: Moderne Medizin macht ältere Menschen zu Patienten

Hohe Bürokratie führt zu Überdiagnose, Überbehandlung und unnötiger Verunsicherung

Die moderne Medizin macht aus Senioren, die sich eigentlich ganz gut fühlen, Patienten. Diese Kritik äußert Michael Oliver, emeritierter Kardiologe der University of Edinburgh, in einem Kommentar im aktuellen British Medical Journal (2009; 338: b873, doi:10.1136/bmj.b873). „Es sieht so aus, als ob in den westlichen Ländern alle Leute über 75 als Patienten eingestuft würden“, kritisiert Oliver. Ihnen werden Medikamente für hohen Blutdruck, Diabetes oder hohes Cholesterin verschrieben, ohne die Folgen für die Betroffenen zu bedenken. Bestimmte Vorsorgebehandlungen können bei alten Menschen nämlich unangebracht oder sogar gefährlich sein. Hausärzte würden sich oft von Statistiken beeindrucken lassen, die von Risikoreduktionen von bis zu 35 Prozent sprechen, differenzieren aber nicht, dass diese oft nur an ein bis zwei Prozent der Probandengruppe bemessen werden. Es wird nicht berücksichtigt, dass es eine Rolle spielt, wie viele Patienten behandelt werden müssen, um das relative oder absolute Risiko zu vermindern. So müssen z. B. 75 Patienten mit leichtem Hochdruck jahrelang behandelt werden, um nur einen Schlaganfall in der Gruppe zu vermeiden, wobei 74 lebenslang an eine unnütze Behandlung gebunden sind. Diese übermäßige Diagnostizierung und Behandlung führt Oliver auf Naivität der Ärzte, übereifriges Befolgen von Richtlinien, hohe Bürokratie im Gesundheitswesen und Druck der Pharmaindustrie zurück. „Eine bürokratische Forderung nach Dokumentation kann zu Überdiagnose, Überbehandlung und unnötiger Verunsicherung führen“, warnt Oliver. Die Medizin solle den tatsächlichen Nutzen der Behandlung von Risikosymptomen bei Menschen über 75 Jahren sorgfältiger und individueller prüfen als bisher.

Im Rahmen des IMABE-Forschungsprojektes S.O.M.® (Bonelli J., Sinnorientierte Medizin) wurde ein solche Methode entwickelt. Mithilfe eines mathematischen Algorithmus lässt sich feststellen, ob eine Behandlung im Einzellfall unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen eine Wirkung bringt (z.B. Lebensqualitätsbereinigte Lebensverlängerung), die im Verhältnis zum Einsatz steht (vgl. u. a. Bonelli J., Sinnorientierte Medizin, Imago Hominis (2004); 11(4): 251-264). Download: http://www.imabe.org/index.php?id=486

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