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März 2009

Transplantationsmedizin: Keine Spenderleber für Alkoholiker?

Medizinethiker entfacht Debatte um Verteilung von Spenderorganen in Großbritannien

Neue Debatte in Großbritannien über die Rationierung von Gesundheitsleistungen. Auslöser sind Äußerungen des Vorsitzenden des Ethikausschusses der British Medical Association, Tony Calland, der aufgrund aktueller Zahlen anregte, Lebertransplantationen nur solchen Patienten anzubieten, die nicht übermäßig viel Alkohol trinken. Patientenverbände laufen Sturm, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 25. 02. 2009). Grundsätzlich hätten „alle Patienten ein Recht auf medizinische Behandlung“, so ein Sprecher der Patients Association.

Großbritannien zählt in Europa zu den Ländern mit den größten Alkoholproblemen. Jede vierte Spenderleber in Großbritannien wird Gewohnheitstrinkern transplantiert. Diese Zahl hat die Tageszeitung The Observer vorgestellt. Damit wurde ein landesweiter Streit ausgelöst, wer ein Spenderorgan erhalten soll und wer nicht.

Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervor geht, stieg die Zahl der Lebertransplantationen für Alkohol trinkende Patienten in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent. Zugleich warten immer mehr britische Patienten auf eine Spenderleber. Zwischen März 2007 und März 2008 wurden im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service) laut Gesundheitsministerium 623 Lebern transplantiert. 151 dieser Spenderorgane gingen an Patienten, deren Alkoholkonsum von den behandelnden Ärzten als „gefährlich“ eingestuft wurde. Damit gingen rund 23 Prozent der Transplantationen an Patienten mit Alkoholproblemen. Vor einigen Jahren lag dieser Prozentsatz laut Calland noch bei 14 Prozent. Britische Ärzten hätten „sehr wohl das Recht und die Pflicht“, zu überlegen, welche Patienten eine Spenderleber erhalten sollten und welche nicht. „Ärzte haben das Recht, Patienten für eine Transplantation abzulehnen, wenn sie nicht bereit oder fähig sind, mit dem Trinken aufzuhören.“ Dies sei nicht nur ethisch, sondern auch rein medizinisch gerechtfertigt.

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