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April 2009

Stammzellen: Österreichs Bioethikkommission am ethischen Holzweg

Alleskönner-Stammzellen auch ohne Zerstörung von Embryonen möglich

„Wissenschaftlich gesehen gibt es keinen Grund, noch mehr Embryonen zu vernichten.“ Susanne Kummer, stv. IMABE-Geschäftsführerin kritisiert scharf in Die Presse am Sonntag (online, 22. 03. 2009) den Vorstoß eines Flügels der Österreichischen Bioethikkommission, Embryonen in Österreich für Forschungszwecke zu verbrauchen. Wer jetzt die Politik dazu bringen will, viel Geld und Zeit in die (ethisch und wissenschaftlich) zweifelhafte Herstellung von embryonalen Stammzellenlinien „Made in Austria“ zu stecken, handelt angesichts der Faktenlage unseriös, erklärt Kummer anhand aktueller Studien.

Österreich, so heißt es oft, sollte sich als kleines Land auf Forschungsvorhaben konzentrieren, wo es bereits hervorragende Ansätze gibt. Allerdings: Wer in Österreich ist in seiner laufenden Forschung behindert, wenn er keine humane embryonale Stammzelle hat? Wer hat schon einschlägige Erfahrung etwa mit entsprechenden tierischen embryonalen Stammzellen? Auf der Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des Liberalisierungsvorschlags wusste nicht einmal die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, eine Antwort darauf.

Dagegen gibt es ethisch saubere und wissenschaftlich attraktive Alternativen zur embryonalen Stammzellforschung, und zwar in Form der induzierten pluripotenten Stammzellen als ethisch sauberem Weg für die Grundlagenforschung und in den adulten Stammzellen für die Entwicklung medizinischer Therapien.

Erst kürzlich gab es einen neuen Etappensieg in der Gewinnung pluripotenter Stammzellen: Forscher um den Stammzell-Pionier James Thomson und Junying Yu vom Morgridge Institute for Research in Madison/Wisconsin haben mit einer neuen Methode Hautzellen in Alleskönner-Zellen verjüngt – ohne dabei das Erbgut der Zellen zu verändern, noch es mit gentechnischen Methoden zu beeinflussen. In einer aktuellen Studie in Science (26. März 2009, doi:10.1126/science.1172482) berichten die Wissenschaftler von ihrer Methode, bei der sie erstmals Plasmide (ringförmige DNA-Moleküle), die unter anderem in Bakterien vorkommen, als „Gen-Taxi“ verwendeten. Das Besondere: Das Plasmid wurde nicht in das Erbgut der Zelle integriert, die Zelle blieb trotz Reprogrammierung „sauber“. Zu ihrer Herstellung musste kein einziger Embryo vernichtet werden. (Hinweis: IMABE-Stellungnahme zur Empfehlung der Österreichischen Bioethikkommission für eine Liberalisierung der Stammzellenforschung, 23. 03. 2009)

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