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Juli 2009

Studie: Kritik an zu hohem Geldfluss in die AIDS-Bekämpfung

Entwicklungsländer brauchen mehr Geld gegen Tuberkulose, Malaria und für Ausbildung

Die Zahlen sind eindrucksvoll: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die finanziellen Ströme für das Gesundheitswesen in Entwicklungsländer vervierfacht. Sie stiegen von 5,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 1990 auf 21,8 Milliarden im Jahr 2007. Doch eine genaue Analyse zeigt auch Schattenseite. Zwei aktuelle, in Lancet (2009; 373: 2113–2124) publizierten Studien zeigen, dass nicht immer die ärmsten Länder oder jene mit den ungesündesten Lebensbedingungen von den Zuwendungen profitieren, kritisieren die Autoren Nirmala Ravishankar und Christopher Murray vom Institute for Health Metrics and Evaluation/University of Washington. Der Bericht zeigt unter anderem, dass im Jahr 2007 die Bekämpfung von HIV/AIDS satte 23 Prozent der 14,5 Milliarden Dollar Finanzhilfen erhielt (5,1 Milliarden Dollar). Dagegen standen nur 0,7 Milliarden Dollar zur Bekämpfung der Tuberkulose und 0,8 Milliarden der Malaria sowie 0,9 Milliarden Dollar zur Ausbildung und Infrastruktur des Gesundheitssektors zur Verfügung. Dies widerspreche dem Entschluss der G8-Staaten, mehr Geld in die Tuberkulose und Malaria-Bekämpfung fließen zu lassen, da in den Entwicklungsländern die kombinierten Belastungen durch diese beiden Krankheiten größer sind.

Selbst in Staaten mit einer geringen Ausbreitung des HI-Virus, das zu Aids führt, seien gewaltige Anti-Aids-Programme aufgelegt worden, berichtet auch der Tagesspiegel (online, 19. 06. 2009). So sei im westafrikanischen Burkina Faso das HI-Virus in weniger als einem Prozent der Bevölkerung verbreitet, doch die nationale HIV-AIDS-Kampagne verfüge seit kurzem über einen Verwaltungsprachtbau in der Hauptstadt Ouagadougou. In Äthiopien, dessen Müttersterblichkeit zu den höchsten der Welt zählt, gibt es zwar Regionen, in denen die Regierung antiretrovirale Medikamente, bezahlt vom Globalen Fonds, ausgibt, doch Gesundheitsstationen, um auch nur eine hebammenbegleitete Geburt zu ermöglichen oder einfachste Krankheiten zu behandeln, gebe es bis heute nicht.

Die Lancet-Autoren stellen fest, dass nur fünf Prozent der in die Gesundheitshilfe geschleusten Mittel in systemweite Gesundheitsförderung wie die Finanzierung neuer Kliniken, Ausbildung von Ärzten und Vorbeugeprogramme fließen, obwohl derartige systemweite Unterstützung als wichtige Priorität globaler Gesundheit festgesetzt wurden. Sie fordern deshalb mehr Transparenz der Vergabekriterien und eine Abstimmung der NGOs und Stiftungen untereinander.

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