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März 2010

Künstliche Befruchtung: Frauen haben ein vierfach höheres Risiko für Totgeburt

Nicht Fruchtbarkeitsstörungen der Paare, sondern das Verfahren selbst ist daran schuld

Frauen, die mit Hilfe einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einer intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) schwanger werden, haben viermal häufiger eine Totgeburt als andere Frauen. Dies zeigt eine aktuelle Längsschnittstudie in Human Reproduction (2010; doi:10/1093/humrep/deq023). Dass nach einer IVF oder ICSI schwanger gewordene Frauen ein erhöhtes Risiko haben, eine Totgeburt zu erleiden, ist ein bekanntes Phänomen. Bisher wurde dies von den Medizinern als Folge der Unfruchtbarkeit eines Paares gedeutet. Die dänische Untersuchung, die Kirsten Wisborg und Mitarbeiter von der Universität Aarhus jetzt vorlegen, zeigt ein anderes Ergebnis.

Die Studie wertete die Daten von 20.166 Frauen aus, deren Niederkunft zwischen August 1989 und Oktober 2006 erfolgt war. In dieser Zeit hatten 16.525 (82 Prozent) nach weniger als einem Jahr spontan (alle waren zum ersten Mal schwanger) empfangen. 4 Prozent nahmen eine konventionelle Fruchtbarkeitsbehandlung in Anspruch (hormonelle Unterstützung, Insemination), bei weiteren 4 Prozent wurde eine IVF oder eine ICSI durchgeführt. Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Gruppen ist wichtig, da bei IVF und ICSI eine Befruchtung auch „gegen den Willen der Natur“ möglich ist. Wenn etwa das Spermium direkt in die Eizelle gespritzt wird, wie bei der ICSI, umgeht man natürliche Barrieren, die Eizellen gegen nicht-optimale Spermien errichtet haben. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass das Fehlbildungsrisiko nach Labor-Zeugung per IVF beziehungsweise ICSI doppelt so hoch ist wie nach einer natürlichen Zeugung.

Die Forscher verglichen das Risiko einer Totgeburt bei Frauen, die mit einer konventionellen Behandlung empfangen hatten mit dem Risiko von Frauen, deren Schwangerschaft mit Hilfe von IVF oder ICSI zustande gekommen war. Es zeigte sich, dass letztere Gruppe ein viermal so hohes Risiko hatte, eine Totgeburt zu erleiden. Die Inzidenzrate lag bei 16,2 auf 1.000 Schwangerschaften. Zum Vergleich: Bei Frauen, die spontan empfangen haben, liegt der Wert bei nur 3,7/1000. Bei Frauen, die zwar die Fruchtbarkeit unterstützende Verfahren, aber keine IVF oder ICSI in Anspruch nahmen, lag die Rate ebenfalls bei sehr niedrigen 2,3 pro 1.000 Schwangerschaften. Es bleibt abzuwarten, wie ehrlich Reproduktionsmediziner unfruchtbare Paare über dieses Totgeburtrisiko im Zuge einer IVF oder ICSI aufklären werden.

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