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März 2010

Umfrage: Tötung durch Spritze für 62 Prozent der Österreicher kein Tabu

Sozialmediziner warnen vor wirklichkeitsfremden Autonomiebegriff bei Schwerkranken

Die Zustimmung zu aktiver Sterbehilfe steigt bei den Österreichern. Das ist das Ergebnis einer telefonisch bei 1.000 Österreicher durchgeführten Umfrage des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinischen Universität Graz (Pressemitteilung online, 17. 02. 2010). Gefragt wurde zuerst nach der Akzeptanz von passiver Sterbehilfe („ein vom Patienten selbst verlangter Abbruch einer medizinisch noch möglichen lebensverlängernden Behandlung bei unheilbarer Krankheit oder schwerem Leiden“) und dann nach der Einstellung zur aktiven Sterbehilfe anhand eines konkreten Falls („die Möglichkeit, dass unheilbar Kranken und schwer leidenden Menschen der Wunsch zum Sterben erfüllt wird, indem ein Mittel verabreicht wird, das ihren Tod herbeiführt“).

Für passive Sterbehilfe sprechen sich 78 Prozent der Österreicher aus, 62 Prozent auch für aktive Sterbehilfe (tödliche Spritze), 30 Prozent sind gegen beides und 8 Prozent unentschieden. Männer und junge Menschen befürworteten Euthanasie tendenziell öfter als Frauen oder Menschen mit Erfahrung in der Pflege schwer kranker Personen.

Studienautoren Willibald Stronegger und Wolfgang Freidl werten die Ergebnisse kritisch. Für die zunehmende Akzeptanz der Euthanasie dürfte die Betonung eines „autonomen Subjekts“, das unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation frei für sich das Richtige wählen kann, eine entscheidende Rolle spielen. Dies beruhe aber auf einer „wirklichkeitsfremde Idealisierung, die gerade auf Schwerkranke kaum zutrifft.“ Die Sozialmediziner warnen davor, dass der ökonomische Druck, kostengünstig durch aktive Tötung zu sterben statt palliativmedizinisch betreut zu werden, steigen wird.

Der für Bioethik-Fragen zuständige niederösterreichische Bischof Klaus Küng, selbst Mediziner, warnte aus Anlass der Umfrage in einem Gastkommentar in Die Presse (online, 20. 02. 2010) vor einer Zulassung der Euthanasie. Sie würde „eine Straße eröffnen“, die „in eine verhängnisvolle Richtung führt“, wie auch die „mitleidsvolle ‚Euthanasierung’“ von Pflegefällen in Holland zeige. Küng mahnt dagegen zu einer Besinnung auf die Lebensrealität von Leidenden und Sterbenden. Diese werde „aus Werbung, Film und öffentlichem Bewusstsein ganz verdrängt“, so Küng.

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