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April 2010

Abtreibungsdebatte: 40 Jahre Streit – und noch immer kein Ergebnis?

IMABE-Plädoyer für einen neuen, konsensfähigen Diskussionsansatz

Die öffentliche Diskussion über Abtreibung ist in Europa seit 40 Jahren ein Dauerbrenner. Die Debatten verlaufen hitzig, gesellschaftliche Kommunikation zu diesem Thema gibt es keine, sie erstickt in Emotionen. Gibt es einen Weg aus dieser Sackgasse?

Lebensschützer betonen, dass der Embryo Person ist und ein unbedingtes Menschenrecht hat – eine Aussage, die ein Abtreibungsbefürworter niemals unterschreiben würde. Will man daher den Dialog suchen, muss man sich auf einer anderen Ebene nähern: in der Frage des Selbstbestimmungsrechts der Frau, schlägt IMABE-Geschäftsführer Enrique Prat jüngst in Imago Hominis (2010; 17: 59-64) vor.

„Ein effizienter Lebensschutz muss unbedingt zunächst die Autonomie der Frau stärken“, betont Prat. Welche Maßnahmen müssen gesetzt werden, damit jemand in einer Krisensituation wie einer ungewollten Schwangerschaft eine autonome Entscheidung treffen kann? Das ist die Frage, über die in erster Linie debattiert werden sollte, so Prat. „Selbstbestimmung setzt als rationale Fähigkeit des Menschen eine gründliche Prüfung von Zielen und Mitteln voraus. Eine kompetente und ins persönliche Lebensumfeld der Betroffenen emotional gut integrierte Beratung ist unumgänglich.“

Dass Abtreibung prinzipiell nicht eine Lösung erster Wahl, sondern immer nur eine Lösung zweiter Wahl darstellt, auf die zugegriffen wird, wenn sonst nichts mehr hilft, ist breiter Konsens in unserer Gesellschaft. In der Nationalratsdebatte am 29. November 1973, die dem Beschluss der Fristenregelung vorausging, sagte der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) wörtlich: „Man muss alles tun, um im Bereich der Politik diesen ganzen Paragraphen so obsolet zu machen, wie dies mit den Mitteln der Politik, der Psychologie und auch der Moral nur geht, um die Frau zu veranlassen, dass sie dann, wenn sie empfangen hat, das Kind behält.“

Es wäre daher im Sinne einer Unterstützung der Selbstbestimmung der Frau, Leistungen anzubieten, die ihr eine Entscheidung zweiter Wahl, die sie eigentlich nicht will, erspart. Wer die Autonomie der Frau ernst nimmt, sollte alles unternehmen, Elemente von Fremdbestimmung – wie Druck von außen, finanzielle Notlage, Alleingelassenwerden –, zu eliminieren, damit die Frau nicht zur Lösung zweiter Wahl, der Abtreibung, greifen muss. Prat sieht es als Aufgabe von Abtreibungsgegnern und -befürwortern, „das Vertrauen der jeweils anderen zu gewinnen“ und „gemeinsam über die Förderung der Selbstbestimmung der Frau in der Frage der Abtreibung nachzudenken“.

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