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Mai 2011

Studie: Neue Pillen-Generation birgt dreimal höheres Thromboserisiko

Bayer bestreitet Verdacht, weitere Sammelklagen stehen bevor

Zwei aktuelle medizinische Studien weisen auf ein erhöhtes Risiko der Entstehung von Blutgerinnseln bei dem Bayer-Verhütungsmittel Yasmin hin. Die Epidemiologin Susan Jick von der Boston University School of Medicine führte die Analyse auf Grundlage von britischen und US-Daten durch. Frauen mit Vorerkrankungen oder Risikofaktoren wie Übergewicht wurden ausdrücklich ausgeschlossen, um eine Verfälschung der Daten zu vermeiden. Das Ergebnis der im British Medical Journal publizierten Studie (BMJ 2011; 342:d2151): Verhütungspillen der neuesten Generation, die das künstliche Gestagen-Hormon Drospirenon enthalten, bringen ein um bis zu dreimal höheres Risiko von Thrombosen mit sich als vergleichbare, ältere Pillen.

Die bekannte Gefahr von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien durch orale Kontrazeptiva kann nicht allein durch Senkung der Konzentration von Östrogenen und Gestagenen gebannt werden, denn auch die Wahl des Gestagens ist von Bedeutung. Bislang wiesen Pharmakonzerne wie Bayer und Merck jedoch Vorwürfe zurück, dass die Drospirenon-haltigen Mikropillen wie Yasmin und Nuvaring risikoreicher seien als ältere Verhütungsmittel. Im Gegenteil: Von den Herstellern wurde alles unternommen, um die Verhütungsmittel in Marketingkampagnen quasi als ungefährliche Lifestyle-Medikamente anzupreisen und dabei Bedenken von Patientinnen wie Gynäkologen über mögliche Nebenwirkungen der Pillen der neuesten Generation zu zerstreuen - was bisher offenbar glückte. So sind in Kanada Gynäkologen der nationalen gynäkologischen Gesellschaft den Versuchungen der Pharmabranche erlegen, berichtet Die Welt kritisch (online 28.4.2011). Beim Verfassen von Aufklärungsmaterial über die Verhütungspillen der neuesten Generation schrieben sie teils wortgenau Werbematerial des Herstellers Bayer ab, priesen die Pille als Mittel gegen Migräne und Akne.

Laut Wirtschaftspresse liegen derzeit mehr als 6.800 Klagen von betroffenen Patientinnen in Sammelklagen gebündelt vor Gerichten in den USA, 190 Todesfälle assoziiert die US-Aufsichtsbehörde FDA bislang mit den Pillen von Bayer und zwei weiteren Herstellern. Bayer verteidigt sich damit, dass die Freigabe der Präparate durch die Arzneimittelbehörden in den USA und Europa ordnungsgemäß erfolgt sei. Laut Bayer HealthCare bestünde bei allen Antibabypillen ein gewisses Risiko von thromboembolischen Ereignissen, das durch die Beachtung der Kontraindikationen wie Rauchen oder ein höheres Alter (über 35 Jahre) minimiert werden könne. Bei Drospirenon-haltigen Kontrazeptiva kommen als Nebenwirkungen noch Erkrankungen von Leber, Niere und Nebenniere hinzu. Weiterführende Informationen: Imabe-Info 1/11: Die "Pille" vs. Natürliche Empfängnisregelung.

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