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Juni 2011

IMAGO HOMINIS-Vorschau: „Hippokrates heute“ analysiert die Aktualität des ärztlichen Berufsethos im Licht der Tradition

Der Stand der Ärzte hat sich wohl wie kein anderer Berufszweig seit jeher um eine standesgemäße Berufsethik bemüht. Das liegt daran, dass Ärzte ihre Tätigkeit nicht nur als Anwendung eines rein naturwissenschaftlich ausgerichteten Wissens und Könnens angesehen haben. Sie haben ihren Beruf auch immer unter den Aspekt der sittlich-ethischen Verantwortung für die Person des Patienten gestellt. Bis heute besteht dieses Bemühen der Mediziner, sich an ethischen Gesichtspunkten zu orientieren. Repräsentativ für diese traditionelle Berufsauffassung kann der sog. Hippokratische Eid bzw. die hippokratische Ethik gelten. Zwar ist der antike Text als Gelöbnisformel kaum noch in Verwendung und im Wortlaut den meisten Ärzten nicht präsent. Wohl aber besitzt er eine gewisse innerliche Aktualität im ärztlichen Bewusstsein. Das Anliegen dieser und einer weiteren Ausgabe von Imago Hominis ist es, diese Fundamente ärztlicher Ethik wieder bewusst zu machen. Angesichts des Fortschritts in der Medizin fragen sich ja immer mehr Ärzte, ob sie denn wirklich alles tun dürfen, was sie medizinisch können, und wo die Grenzen des ethisch Verantwortbaren zu ziehen sind – was sich etwa in der Etablierung von Ethikkommissionen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens ausdrückt. Die Wiener Medizinhistorikerin Gabriela Schmidt-Wyklicky beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit der historischen Entwicklung des hippokratischen Eides und des Corpus Hippocraticum und deren Einfluss auf spätere ärztliche Gelöbnisse bis in die Gegenwart. Dietrich von Engelhardt (Universität Lübeck) analysiert in seinem Beitrag den hippokratischen Aphorismus „Die Kunst ist lang, das Leben kurz, der günstige Augenblick ist flüchtig, die Erfahrung trügerisch, die Entscheidung schwierig“. Er zeigt dabei auf, dass diese Einsichten zeitlose und so auch für das moderne Selbstverständnis des Arztes zentrale Fragen berühren. Der Medizinethiker Axel W. Bauer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) schreibt über das Rollenverständnis des Arztes im Laufe der Geschichte und verweist auf dessen Abhängigkeit vom und Rücksichtnahme auf den jeweiligen Zeitgeist. Der Mediziner Jan Stejskal (IMABE) setzt das Corpus Hippocraticum in Zusammenhang mit aktuellen Fragen der Palliativmedizin und fragt, ob die hippokratische Medizin eine Orientierungshilfe für oft schwierige Entscheidungen zwischen kurativer und palliativer Medizin am Krankenbett liefern kann. Wie eindringlich sich der Mensch seit der Antike mit seinem unausweichlichen Schicksal beschäftigt hat, zeigt der Philosoph und Theologe Markus Enders (Universität Freiburg i. Breisgau) in seinem Beitrag über das Verständnis von Schicksal in der antiken Welt und dessen Bedeutung für das Machbarkeitsdenken unserer Zeit.

Die Imago-Hominis-Ausgabe 2/2011 mit dem Schwerpunkt „Hippokrates heute I“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522 und kann als Einzelheft um € 10,– bezogen werden.

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