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Juli 2011

Studie: Menschenwürdige Pflege älterer Patienten ist noch lückenhaft

Älterer Mensch scheint im britischen Akut-Krankenhaus deplatziert

Werden ältere Patienten in öffentlichen Akut-Krankenhäusern mit Würde und Respekt behandelt? Nur bedingt, sagen der Medizinsoziologe Michael Calnan von der University of Kent und der Geriatriker Win Tadd an der Cardiff University. Im Rahmen ihres umfassenden, 256-seitigen Forschungsberichts Würde in der Praxis stellen die Autoren fest, dass der Mangel an würdevoller Pflege eine der Hauptquellen für Patientenbeschwerden ist.

Die Studie untersucht die Erfahrungen älterer Menschen mit ihren Betreuern und den Verhaltensweisen und Praktiken der Pflegeanbieter. Dabei wurde die Praxis auf 16 Stationen in vier britischen Akut-Spitälern analysiert sowie Patienten, Familien, Personal und Führungskräfte interviewt. Laut Studienautoren wollte die Mehrheit der betroffenen Mitarbeiter zwar älteren Menschen eine würdevolle Pflege bieten, die Versorgung wich in der Praxis allerdings davon ab.

Zum einen lag dies an strukturellen Problemen: Die 16 Stationen waren räumlich schlecht konzipiert und konnten den Bedürfnissen ihrer wichtigsten Nutzer, den älteren Menschen, nicht genügend entsprechen. Viele fühlten sich bei der Aufnahme ins Krankenhaus desorientiert: Die physische Umgebung wurde häufig als verwirrend und unüberschaubar empfunden. Es gab kaum Gemeinschaftsräume oder gemeinsame, strukturierende Aktivitäten. Etliche ältere Menschen klagten darüber, dass sie sich auf der Station entmachtet, ohne Mitspracherecht sowie unnütz und gelangweilt fühlten.

Die Mehrheit der älteren Befragten äußerte sich besorgt darüber, dass die Mitarbeiter in Bezug auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten schlecht ausgerüstet waren, um sich um ältere Menschen zu kümmern, insbesondere, wenn eine akute Erkrankung vorlag, die durch physische und psychische Komorbidität noch verschärft wurde.

Die Untersuchung zeigte auch, dass NHS-Mitarbeiter zwar motiviert seien, die Interessen der Patienten zu vertreten, allerdings wurden sie häufig durch systemische und organisatorische Faktoren frustriert. Häufig kamen sie so zum Schluss, dass die ältere Person in einem Akut-Krankenhaus eben am "falschen Ort" sei. Die Arbeitsbelastung auf den beobachteten Stationen zeigte, dass es für den zwischenmenschlichen Kontakt mit dem Patienten wenig Zeit und Gelegenheit gab.

In ihren Schlussfolgerungen zeigen die Autoren ausführlich, dass die Achtung vor der Würde jeden im Spital Tätigen angeht – vom ärztlichen Direktor bis zum Raumpfleger, dass es klare Maßnahmen zur Umsetzung geben muss und dass man sich nicht auf den Kostenfaktor ausreden sollte. Klagen der Patienten seien teurer als würdevolle Pflege.

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