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Oktober 2011

USA: Stammzellen von Klonembryonen aus bezahlten Eizellspenden

Stammzellforscher fordern „Eizellen-Markt“ im Dienst der Wissenschaft

Nachdem es lange Zeit ruhig geworden war um das Thema Klonen, sorgte jüngst ein US-Forscherteam für neuen Zündstoff, berichtet ALfA (online, 9.10.2011). Wie die Forscher um Dieter Egli und Scott Noggle von der The New York Stem Cell Foundation in Nature (2011: 478, 70–75, DOI: doi:10.1038/nature10397) berichteten, gelang es ihnen mittels einer abgewandelten Methode des sogenannten Zellkerntransfers („Dolly“-Verfahren), menschliche Embryonen zu schaffen, die das Blastozystenstadium erreichten. Ziel dieser neuen Technik soll sein, aus den Klon-Embryonen patientenspezifische Stammzellen zu gewinnen, die nicht abgestoßen werden, um damit Krankheiten zu heilen.

Das Klonverfahren, wie es beim Schaf Dolly angewandt wurde, birgt beim Menschen massive Schwierigkeiten, weil die entstehenden Zellen normalerweise Anomalien entwickeln. Es wird vermutet, dass die Eizellen dabei doch eine größere Rolle spielen als bei Säugetieren. Um das Problem zu umgehen haben die Forscher in ihrem Experiment daher den Kern der Eizelle einfach darin belassen und den Kern von Hautzellen von Patienten mit Diabetes Typ 1 hinzugefügt. Damit verfügten die so entstandenen Zellen allerdings über den dreifachen Chromomensatz. Diese Zellen teilten sich weiter und erreichten in 21 Prozent der Versuche das Blastozystenstadium, d.h. eine Größe von 70-100 Zellen. Allerdings sind sie dann nicht mehr genetisch identisch mit dem Erbgut des Spenders. Die daraus entnommenen Stammzellen sind damit für die praktische Anwendung unbrauchbar.

Dennoch zeigten sich die Forscher sehr erfreut. Damit hätten sie gezeigt, dass die Entfernung des Eizellen-Genoms die Hauptursache für Fehlentwicklungen nach dem Genomtransfer ist, schrieben sie. Wie sie die Probleme mit dem dreifachen Chromsomensatz lösen wollen, ist ungewiss.

Allerdings hat die Studie einen faden Beigeschmack. Nicht nur, weil die Experimente und deren Sinn an sich fragwürdig sind, sondern auch, weil dafür jeder Frau, die Eizellen spendete, 8000 Dollar bezahlt wurden. Gegenüber ihren Kritikern rechtfertigen die Forscher diese hohen Summen damit, dass ihre Studien vollständig privat finanziert und zudem im Einklang mit den Ethikrichtlinien der International Society for Stem Cell Research ausgeführt wurden (vgl. IMABE-Newsletter Februar 2007: Ethik-Codex: Stammzellenforscher stellen halbherzigen Regelkatalog auf).

Das Center for Genetics and Society hält den Autoren dagegen zahlreiche Intransparenzen und auch verdeckte Interessenskonflikte vor. In einer kritischen Analyse (online, 7.10.2011) sprechen sie von einer offenbar gezielt geplanten Kampagne für die Stammzellforschung. Neben Nature fordern interessanterweise zur gleichen Zeit in einem in Cell Stem Cell veröffentlichen Manifest (2011: 9,4: 293-294) wichtige Stammzellforscher - wieder unter der Ägide von Dieter Egli –, dass der Gesetzgeber endlich die Etablierung eines Marktes für Eizellenspenden ermöglichen sollte, um (ihrer) Arbeit zum Durchbruch zu verhelfen. Zu guter Letzt wird das Manifest von einem Beitrag (2011: 9,4: 295-297) des Bioethikers Isoo Hyun von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio begleitet, der die bezahlte Eizellenspende ethisch legitimiert.

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