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Dezember 2011

Perinatale Medizin: Hohes Risiko für Säuglinge bei vorgezogenem „Wunsch“-Kaiserschnitt

„Früh“-Geburtstermin kann nachweislich gesundheitliche Schäden beim Kind auslösen

Als Frühgeborene gelten Kinder, die vor der vollendeten 37. Woche auf die Welt kommen. Häufig wird angenommen, dass die sogenannten späten Frühgeburten, die zwischen der 34. und 36. Woche geboren werden, weitgehend entwickelt sind und keiner besonderen Schutzmaßnahmen bedürfen. Doch die Realität sieht anders aus. Aus kinderärztlicher Sicht sei von einem "Wunsch-Kaiserschnitt" abzuraten, vor allem, wenn dieser mehrere Wochen vor den eigentlichen Geburtstermin gelegt werden soll, betonte Christian Poets, Neugeborenenmediziner an der Universität Tübingen beim Deutschen Kongress für Perinatale Medizin in Berlin. Eltern würden damit unmittelbar und auch langfristig erhöhte Risiken für ihr Kind in Kauf nehmen, Lungenprobleme zu bekommen, zu versterben, behindert zu sein oder auch „nur“ in der Schule schlechter mitzukommen.

Dass auch Kinder, die "nur" vier bis sechs Wochen vor dem errechneten Termin zur Welt kommen, ein immer noch erhöhtes Risiko haben, sei sowohl Eltern als auch vielen Ärzten kaum bewusst. Diese Informationen, die überwiegend aus Studien der letzten ein bis zwei Jahre stammen, müssten viel stärker als bisher bekannt gemacht werden, damit man bei Entscheidungen auch das Kind im Blick hat, betonte Poets (Pressemitteilung, online 2.12.2011). In Österreich wird fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt entbunden, die Zahl hat sich in nur zehn Jahren verdoppelt. Statistisch nachweisbar ist ein um 75 Prozent höheres Sterberisiko sogar bereits für Kinder, die vor der 38. statt nach der normalen 40. Schwangerschaftswoche auf die Welt gebracht werden. Dieses erhöhte Risiko ist zudem nicht allein auf die Zeit nach der Geburt beschränkt: Auch im Alter von ein bis fünf Jahren haben Kinder, die vier bis sechs Wochen zu früh zur Welt kommen, noch ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko zu sterben. Selbst nur wenige Wochen zu früh geborene Kinder haben häufiger ein Atemnotsyndrom, sie neigen mehr zu niedrigen Blutzuckerwerten und Auskühlung, und müssen auch häufiger nach Geburt beatmet werden.

Auch der Kaiserschnitt birgt Risiken für das Kind: Selbst reif geborene Kinder, die per geplantem Kaiserschnitt geboren wurden, entwickelten achtmal häufiger als auf natürlichem Weg geborene Kinder einen Pneumothorax (Lungenriss mit lebensbedrohlichem Kollaps der Lunge), erläutert Poets. In einer in The Lancet im Jahr 2010 veröffentlichten Studie warnte bereits die WHO vor dem steigenden Phänomen der sogenannten „Wunsch-Kaiserschnitte“. (vgl. Imabe-Newsletter März 2010).

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