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Juni 2012

Studie: Mit Todesnähe wächst Zustimmung zu Intensivbehandlung

Einstellung von Schwerstkranken zu Behandlungen ist starkem Wandel unterzogen

Verändert sich bei schwerkranken Patienten ihre Ansicht bezüglich Therapien am Lebensende? Dieser Frage ging ein niederländisch-belgisch-amerikanisches Team unter der Leitung der niederländischen Palliativmedizinerin Daisy J.A. Janssen vom Zentrum für chronisches Organversagen (CIRO) im niederländischen Horn nach. Das Ergebnis der in Chest (2012; 141,5: 1251-1259) publizierten Studie: Mehr als ein Drittel aller Patienten mit chronischer, fortgeschrittener Erkrankung der Lunge, Herzinsuffizienz oder Nierenversagen änderten innerhalb von 12 Monaten ihre Meinung über eine Einweisung in eine Intensivstation oder Wiederbelebung. Bemerkenswert war der Trend zur Bejahung der Intensivbehandlung (inklusive Beatmung), der bei nahezu der Hälfte der ursprünglichen „Ablehner“ zu beobachten war.

206 Patienten wurden nach ihrem Wunsch bzw. ihrer Ablehnung von Wiederbelebung und Intensivstation befragt. Dabei entschieden sich jeweils rund 150 dafür und rund 50 dagegen (2% waren unentschlossen). Nach vier, 8 und 12 Monten wurde die Befragung wiederholt. Bei der Endbefragung (12 Monate) waren die Patienten nur im Hinblick auf eine Wiederbelebung relativ gleicher Ansicht. Bei der Intensivbehandlung zogen viele ihre anfängliche Ablehnung zurück. Von ursprünglich 44 strikten Ablehnern blieben nur 24, die 20 anderen äußerten dagegen nun eine klare Präferenz für eine Intensivbehandlung. Das ist bemerkenswert, zumal die Studie in Ländern mit hoher (auch gesetzlich fundierter) Akzeptanz des Therapieabbruchs bzw. der aktiven Sterbehilfe entstanden ist. Patientenverfügungen (selbst in so kurzen Zeitspannen) scheinen wenig verlässlich angesichts der Tatsache, dass der Wille zum Leben trotz – oder wegen? – fortschreitender Erkrankung offenbar erstarken kann. Die Autoren schlossen jedenfalls aus der Untersuchung, dass sich mit fortschreitender Erkrankung und damit Todesnähe innerhalb nur eines Jahres die Einstellung von Schwerstkranken so stark verändern kann, dass sie ihre ursprüngliche Entscheidung in Frage stellen.

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