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Dezember 2012

Prävention: Nutzen von Mammographie-Screening fraglich

US-Studie spricht von 31 Prozent überdiagnostizierten Frauen in 30 Jahren

Eine jüngst publizierte Auswertung des US-Krebsregisters SEER (Surveillance, Epidemiology and End Results) stellt den tatsächlichen Nutzen der Mammographie erneut infrage. Seit ihrer Einführung ist es laut einer Publikation im New England Journal of Medicine (2012; 367: 1998-2005) nur zu einem geringen Rückgang der Spätdiagnosen gekommen, die die Mammographie vermeiden soll. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Frühdiagnosen. Die Autoren schätzen den Anteil der Überdiagnosen auf 31 Prozent. In den letzten 30 Jahren (1978 – 2008) sei bei 1,3 Millionen Frauen fälschlicher- bzw. unnötigerweise ein Brustkrebs diagnostiziert und vermutlich auch behandelt worden.

Der Forscher von der Oregon Health and Science University in Portland haben die Daten des US-Krebsregisters SEER ausgewertet, das etwa ein Zehntel der Krebserkrankungen in den USA abdeckt. Die Publikation zeigt, dass es nach der Einführung der Mammographie ab Mitte der 1980er Jahre zu einem deutlichen Anstieg bei den Frühdiagnosen des Mammakarzinoms gekommen ist. Die Inzidenz ist seit 1976 von 112 auf 234 Fälle pro 100.000 Frauen gestiegen. Dies wäre an sich ein gutes Zeichen, wenn gleichzeitig der Anteil der Spätdiagnosen des Mammakarzinoms gesunken wäre. Die Inzidenz ging jedoch nur leicht von 102 auf 94 Fälle pro 100.000 zurück. Damit stehen 122 Überdiagnosen nur 8 Spätdiagnosen auf 100.000 Frauen gegenüber.

Unter den früh diagnostizierten Tumoren befanden sich auch solche, die sehr langsam wachsen, nicht unbedingt operiert und mit Chemo- oder Strahlentherapie behandelt werden müssten. Auch Tumoren, die sich von selbst zurückentwickeln, gehören in diese Fallgruppe.

Die Autoren folgern, dass die Routine-Mammographie bei Frauen über 40 in den USA nur einen marginalen positiven Effekt hat. Dem stünden rund 31 Prozent aller gescreenten Frauen gegenüber, die „überdiagnostiziert“ worden waren. Sowohl der Befund als auch die Behandlung würden – abgesehen von den Kosten für das Gesundheitssystem – für die betroffenen Frauen eine unnötige körperliche wie auch hohe psychische Belastung bedeuten.

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