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Mai 2013

USA: Umstrittener Test soll Sterberisiko von Senioren beurteilen

12 Punkte-Test soll Ärzten als Entscheidungsgrundlage für weitere klinische Interventionen dienen

Ein Team rund um die Internistin Marisa L. Cruz von der University of California in San Francisco hat einen Test entwickelt, der die Sterbewahrscheinlichkeit von Senioren für die nächsten zehn Jahre ermitteln soll. Laut Studienleiterin Cruz sei das Ziel der Studie, „eine Kosten-Nutzen-Analyse, um zu klären, welcher Patient von welchem Eingriff profitieren könnte.“ Für den Test, der im Journal of the American Medical Association (2013;309(9):874-876. doi:10.1001/jama.2013.1184) veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler die Daten von mehr als 20.000 US-Bürgern über 50 Jahren ausgewertet, die zwischen 1998 und 2008 zu ihrer Gesundheit befragt worden waren.

Die 12 Fragen des 10-Year Mortality Index for Older Adults, die der Patient beantworten muss, sind einfach. Männlich oder weiblich? Raucher? Diabetiker? Pro angekreuzte Antwort gibt es eine bestimmte Punktzahl. Gibt jemand beispielsweise an, sich beim Spaziergang um den Häuserblock schwer zu tun, bringt das zwei Punkte. Menschen zwischen 60 und 64 Jahre erhalten automatisch einen Punkt, ab 85 sieben Punkte. Raucher und Lungeinsuffizienz? Jeweils zwei Punkte usw. Wer maximal 26 Punkte erreicht, überlebt das Jahr 2023 laut Sterblichkeitsindex zu 95 Prozent nicht mehr. Bestimmt sei der Test für Patienten, die älter als 60 Jahre sind. „Jede Vorsorgeuntersuchung und jeder klinische Eingriff ist für diese Menschen riskant“, argumentiert Cruz. „Einen Eingriff sollte man nur bei den Patienten auszuführen, denen er nutzt.“

In Deutschland wurde der Test als diskriminierend und wenig wissenschaftlich kritisiert. Der Forschungskoordinator des Leibniz-Instituts für Altersforschung, Wilfried Briest, hält den Test und die Studie, auf der er beruht, für „ethisch bedenklich“, berichtet der Spiegel Online (15. 4. 2013). „Wenn eine Auswertung von nur zwölf Fragen darüber entscheidet, ob dem Patienten eine medizinische Behandlung widerfährt oder nicht, ist das sehr diskriminierend“, sagt Briest. „Am Testende werde ich mit einem Wert konfrontiert, der mir beispielsweise eine Lebenserwartung von vier Jahren verspricht. Und was mache ich dann damit?“

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