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Juli 2013

Forschung: Japan genehmigt erste klinische Studie mit IPS-Stammzellen

Netzhautzellen aus pluripotenten Stammzellen sollen altersbedingten Sehverlust ausgleichen

Japan hat grünes Licht für die weltweit ersten Klinikversuche mit Netzhautzellen gegeben, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen (IPS) gewonnen wurden. Das neue Verfahren soll an Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) getestet werden, berichtet der Standard (online, 27. 6. 2013). Ein Regierungsausschuss billigte entsprechende Testreihen des naturwissenschaftlichen Forschungsinstituts Riken. Allein in Japan sind von diesem bisher behandelbaren, aber unheilbaren Rückgang der Sehschärfe durch absterbendes Netzhautgewebe rund 700.000 – vor allem ältere – Menschen betroffen.

Die Entwicklung von IPS-Zellen geht auf den Japaner Shinya Yamanaka zurück, der für deren Erzeugung, die ohne Klonen und Zerstörung von Embryonen auskommt, im Dezember 2012 den Nobelpreis erhielt (IMABE November 2012: Stammzellen: Nobelpreis zeigt, dass ethisch sauberes Forschen erfolgreich ist). Körperzellen lassen sich dank Yamanakas Methode so zurückprogrammieren, dass sie quasi-embryonale Fähigkeiten besitzen und sich prinzipiell in jedes Gewebe entwickeln können. In der Stammzellforschung erreichten Behandlungen mit adulten Stammzellen bereits große Erfolge. In anderen Bereichen befindet man sich noch in der Grundlagenforschung.

Die erste mit embryonalen Stammzellen begonnene klinische Studie wurde von der Firma Geron wegen mangelnder Aussicht auf Erfolg im November 2011 zurückgezogen (vgl. IMABE November 2011: USA: Erste klinische Versuche mit embryonalen Stammzellen abgebrochen). Eine zweite klinische Studie der amerikanischen Firma ACT in Patienten mit Makuladegeration ist derzeit im Gange.

Für den ersten klinischen Versuch mit IPS-Zellen will nun das japanische Forschungsinstitut sechs AMD-Patienten im Alter von mindestens 50 Jahren gewinnen und Zellproben ihrer Haut entnehmen. Diese sollen dann zu IPS-Zellen umprogrammiert werden, die die Forscher zu Netzhautzellen entwickeln und sie nach zehnmonatiger Züchtung ins Auge der Patienten transplantieren möchten. Laut jüngster Studien gibt es keine Anzeichen immunologischer Abstoßung, da diese Zellen von IPS-Zellen aus dem körpereigenen Gewebe der Patienten hergestellt werden (vgl. The Scientist, online, 25. 1. 2013) .

Das Institut will die behandelten Probanden vier Jahre lang beobachten, um festzustellen, inwiefern die Implantate helfen, ob der Körper sie annimmt und ob Krebsgefahr besteht. „Das sind respekteinflößende Aussichten, aber sie machen Freude“, sagte Riken-Sprecherin Masayo Takahashi der Tageszeitung Mainichi. Zumindest in den ersten klinischen Versuchen werde aber nur mit geringfügigen Verbesserungen der Sehkraft gerechnet. „Wir wollen nicht, dass sich Menschen übertriebene Hoffnungen machen“, dämpfte Takahashi die Erwartungen. Riken gibt sich realistisch: Flächendeckende Behandlungserfolge kämen frühestens in einigen Jahren in Frage.

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