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Dezember 2005

Religiosität bei Patienten sorgt für Ambivalenz bei Medizinern

Warum Fachärzte und Therapeuten zu mehr Sensibilität aufgefordert sind

Nicht nur manche Kollegen, sondern auch viele Patienten wünschen sich ein Thematisieren von Religiosität von ihrem behandelnden Arzt. Nach einer Studie von Ehmann et al. (Arch Intern Med (1999); 159: 1803-1806) würden es zwei Drittel der Patienten wünschen, im Falle einer schweren Krankheit von ihrem Arzt auf ihren Glauben angesprochen zu werden. Der spirituelle Faktor wurde in der medizinischen Forschung lange tabuisiert, rückt nun aber vor allem in den USA wieder ins wissenschaftliche Interesse. Europa habe darin Nachholbedarf, konstatiert der Psychiater Raphael M. Bonelli, Dozent an der Medizinischen Universität Graz in seinem Artikel „Religiosität in der modernen Psychiatrie“, erschienen in Imago Hominis, Bd. 12, 4/2005, S. 263-277. Studien, unter anderem jene des renommierten Psychiater Kenneth S. Kendler (2003, American Journal of Psychiatry), würden zeigen, dass Religiosität sowohl für Suchterkrankungen als auch für die Depression und den Suizid einen protektiven Faktor darstellt. Religiöse Menschen sind bei Depressionen weniger stark suizidgefährdet und zeigen geringere Aggressivität als nicht-religiöse. Psychotherapeuten (auch wenn sie selbst nicht derselben Glaubensgemeinschaft angehören) sollten es Patienten ermöglichen, religiöse Fragen im ärztlichen Gespräch einzubringen. Umgekehrt sollten Seelsorger in der Lage sein, psychisch auffällige Menschen an den Fachmann weiterzuempfehlen, statt zum „umfassenden Heiler“ zu werden, betont Bonelli.

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