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September 2013

Studie: Belastende Nebenwirkungen und fehlende Kommunikation mindern Therapietreue

Ärztliche Schuldzuweisungen gegenüber dem Patienten führen nicht zum Ziel

Der Arzt verschreibt Medikamente, doch der Patient folgt nicht. Wie kommt es zur „Therapieuntreue“, genannt Noncompliance, die Misserfolge in der Behandlung und unnötige Kosten verursachen? Haben wenig folgsame Patienten etwa kein Interesse, ihre Beschwerden zu verringern? Stimmt nicht, sagt nun eine im Forum Qualitative Sozialforschung (2013; 14(3): Art. 7) veröffentlichte Studie. Die Gründe dafür, dass chronisch Kranke ihre Medikation nicht regelmäßig nehmen, können gar nicht bloß über Folgsamkeit – Compliance – definiert werden. Denn der Wunsch nach Linderung der Beschwerden und das Vertrauen in die Medizin seien da. Chronisch erkrankten Menschen mache vielmehr der häufige krankheitsbedingte Wechsel der Medikamente zu schaffen, das Verurteiltsein zu dauerhafter Medikation samt teils deutlicher Nebenwirkungen sowie zusätzlich die häufig unzureichende Kommunikation ihrer Ärzte, lautet das Ergebnis der Untersuchung der deutschen Public Health-Forscher (vgl. Forum Gesundheitspolitik, online, 11. 8. 2013). Sie führten leitfadengestützte Interviews mit Menschen durch, die langjährig an einer behandlungsbedürftigen rheumatoiden Arthritis litten.

Das Wissenschaftlerteam der Universitäten Bremen, Hannover und Kiel plädiert dafür, die Unterstützung für chronisch Kranke bei der Bewältigung ihrer lang andauernden Krankheitskarrieren zu verbessern statt ihnen de facto immer wieder mit Vorwürfen zu begegnen, nicht „folgsam“ zu sein. Was in einem modernen, d. h. nicht schuldzuweiserischen Compliance-Dialog zwischen Arzt und Patient zu beachten und zu erreichen ist, wird in der 26 Seiten umfassenden Studie durch ausführliche Zitate aus den Interviews anschaulich verdeutlicht.

Dass die Arzt-Patient-Kommunikation ein entscheidender Faktor für die Therapietreue ist, wurde bereits in anderen Studien gezeigt (vgl. IMABE, Oktober 2012: Arzt-Patient-Verhältnis: Kommunikation beeinflusst Lebensqualität und Therapieerfolg). Information, Empathie und das Eingehen auf die Bedürfnisse des Patienten zählen zu den zentralen Faktoren, um das Vertrauen des Kranken zu gewinnen und ihn für die Therapie zu motivieren.

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