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Februar 2014

Forschung: Wissenschaftselite will mehr Qualität und weniger Forschungsmüll

Nobelpreisträger Schekman fordert zum Boykott der „Luxusmagazine“ Nature und Science auf

Im Forschungsbetrieb wird zu viel Unwichtiges produziert, die Anreizsysteme von Forschungseinrichtungen und Instituten seien oft unsinnig, Geld werde verschleudert und schließlich Patienten geschädigt: Wissenschaftler sind bereit, darunter auch Nobelpreisträger, öffentlich zu thematisieren, dass hier offenbar etwas falsch läuft.

Der Biologe Randy Schekman, Medizinnobelpreisträger von 2013, nutzte seine Auszeichnung, um den laufenden Wissenschaftsbetrieb scharf zu attackieren. „Die Tyrannei der Luxusmagazine muss gebrochen werden“, so Schekman in einem Gastkommentar in The Guardian (online, 9. 12. 2013). Er richtete sich gegen die großen Journals wie Science, Nature und Cell. Der Druck, in diesen Magazinen zu publizieren, verleite dazu, eher angesagter statt wirklich wichtiger Forschung nachzugehen. Die Chefredakteure seien „keine Wissenschaftler, sondern Fachleute, die Furore machenden Studien den Vorzug geben und dabei so restriktiv vorgehen wie Modedesigner bei Limited- Edition-Handtaschen“, sagte Schekman. Er selbst und seine Kollegen würden ab sofort nicht mehr in diesen Journals veröffentlichen und riefen alle Forscher zum Boykott auf.

The Lancet hat die Debatte um die Zukunft des Wissenschaftsbetriebs im Jänner 2014 in einem einzigartigen Dossier unter dem Titel Research: increasing value, reducing waste nun aufgegriffen. Die Autoren legen dar, wie die Qualität in der Forschung verbessert und Verschwendung verringert werden kann How should medical science change? (dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)62678-1), und zeigen auf, welche ökonomischen, politischen, sozialen und kulturellen Faktoren eine zentrale Rolle in der Vergabe von Forschungsgeldern spielen, wobei der Nutzen für den Patienten dabei immer mehr ins Hintertreffen gerät (doi:10.1016/S0140-6736(13)62329-6). Die Debatte hat Spiegel online (8. 1. 2014) ausführlich dokumentiert und mit weiterführenden Links versehen.

Nobelpreisträger Schekman hatte auch am System des sogenannten Impact Factors – die Qualität eines Journals wird daran bemessen, wie oft seine Veröffentlichungen zitiert werden – kein gutes Haar gelassen: „Eine Arbeit kann zitiert werden, weil sie gut ist, oder aber weil sie provokativ, auffallend oder falsch ist“, kritisiert der Biologe. Als Alternative favorisiert er das Modell der Open-Access Magazine (wie das von ihm mit-herausgegebene eLife Journal). Sie erlauben den kostenfreien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und würden unter Einhaltung aller notwendigen Qualitätskriterien fairer publizieren, da sie eine größere Anzahl an Artikeln veröffentlichen können als die Luxusmagazine und nicht auf Abonnenteneinnahmen angewiesen sind.

Inzwischen ist auch im British Medical Journal (2014; 348: g171) eine Debatte losgetreten worden, ob medizinische Journals pharmagesponserte Studien in Zukunft überhaupt noch veröffentlichen sollen (vgl. Deutsches Ärzteblatt, online, 21. 1. 2014).

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