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März 2014

Public Health: Zwei von drei Frauen lassen nach Verhütung abtreiben

Bürgerinitiative in Österreich fordert anonymisierte Daten und Fakten zu Schwangerschaftsabbruch

Bislang schien die These, dass durch Verhütung Abtreibungen verhindert werden, kaum widersprochen. Nun zeigt eine vom British Pregnancy Advisory Service (BPAS) in Auftrag gegebene Studie (vgl. Pressemitteilung, online, 4. 2. 2014) ein differenzierteres Bild. Zwei Drittel der Frauen, die ihr Kind abtreiben ließen, hatten zur Zeit der Empfängnis verhütet. Die Studie hatte die Daten von 157.000 Frauen (ab 15 Jahren), die zwischen Jänner 2011 und Dezember 2013 Verhütung in Anspruch nahmen, und die Zahl der Abtreibungen in dieser Gruppe im selben Zeitraum analysiert. Die Daten stammen aus 50 BPAS-Beratungszentren in ganz Großbritannien, in denen Abtreibungen und Pränataldiagnostik durchgeführt, aber auch Antikonzeptiva abgegeben oder Sterilisierungen vorgenommen werden. BPAS ist der größte Anbieter im Land und versorgt nach eigenen Angaben jährlich mehr als 60.000 Klienten.

66 Prozent der Frauen, die abgetrieben hatten, waren sicher, aufgrund der Empfängnisverhütung nicht schwanger werden zu können. Von ihnen hatten 40 Prozent die „Pille“ eingenommen, die zu den am sichersten propagierten und meist genutzten Verhütungsmitteln in Großbritannien zählt. Bei üblicher Einnahme werden laut BPAS rund 9 von 100 Frauen pro Jahr dennoch schwanger (Pearl-Index 9). Ein Drittel der Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen ließen, hatte auf Kondome als gängiges Verhütungsmittel gesetzt (12 von 100 Frauen wurden schwanger: Pearl-Index 12), nur ein Drittel hatte gar nicht verhütet, häufig weil sie meinten, ohnehin nicht mehr fruchtbar zu sein (Alter: 40 Jahre plus). Eine steigende Zahl von Frauen sei außerdem, so BPAS-Geschäftsführerin Ann Furedi, inzwischen über die Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung, unglücklich.

Furedi forderte deshalb nun offen Abtreibung als „Backup“-Methode für misslungene Verhütung, da Frauen offenbar ihre Fruchtbarkeit nicht allein durch kontrazeptive Methoden kontrollieren können, so die Leiterin des größten britischen Abtreibungsanbieters.

BPAS ist intensiv in die Gestaltung des Sexualunterrichts an britischen Schulen eingebunden. Scharfe Kritik an diesem Vorstoß kam von Louise Kirk, Koordinatorin des britischen Bildungsprogramms Alive to the World (vgl. Mercatornet, online, 24. 2. 2014). Statt eines verantwortlichen Umgangs mit Sexualität und der Nutzbarmachung des Wissens um Fruchtbarkeit würden ausschließlich Verhütung und nun auch Abtreibung als quasi notwendiger Teil der Fertilitätskontrolle propagiert. Ein Alternativkonzept der Sexualerziehung bietet Alive to the World für Eltern, Kinder und Schulen im Handbuch Sexuality Explained.

In Österreich fordert die Bürgerinitiative Fakten Helfen, gestartet von Aktion Leben, die anonyme Erhebung von Zahlen und Motiven zu Abbrüchen. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von der Chirurgin Hildegunde Piza: Ein Schwangerschaftsabbruch sei als invasiver Eingriff wie jede andere Operation statistisch zu melden – noch dazu, wo sie eine so hohe psychische und soziale Komponente sowie schwerwiegende, auch seelische Folgen für die Betroffenen haben kann. „Es wäre also mehr als vernünftig, nach 40 Jahren Säumigkeit diese Daten statistisch zu erfassen und offenzulegen. Nur wer die Fakten und Motive kennt, kann helfen und Lösungen anbieten“, betont Medizinerin Piza.

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