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März 2014

IMAGO-HOMINIS-Vorschau: Spiritualität in der Medizin, Band II

Der Diskurs über den Zusammenhang zwischen Religiosität und Gesundheit ist in akademischen medizinischen Kreisen immer noch eine Rarität. Erst in jüngerer Zeit haben einige wenige psychiatrische Teams, vor allem in den Vereinigten Staaten, den Faktor Religiosität rehabilitiert und zum Forschungsgegenstand erhoben. Zugleich erlebt der Begriff „Spiritualität“ derzeit einen para-wissenschaftlichen Boom.

Welche existentielle Bedeutung hat Krankheit für den Menschen? Vor welche Aufgaben – auch anthropologische – ist hier die Heilkunst der Medizin gestellt?

Arndt Büssing, Mediziner und Professor am Zentrum für Integrative Medizin (Universität Witten/Herdecke) und Janusz Surzykiewicz, Professor für Pastoraltheologie und Allgemeine Psychologie (Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt) zeigen anhand einiger empirischer Studien, dass nicht nur Terminalpatienten oder schwer Erkrankte, sondern auch Patienten mit chronischen Erkrankungen spirituelle Bedürfnisse haben, diese aber im Gesundheitssystem zumeist unberücksichtigt bleiben. Etliche Studienergebnisse stellen einen Zusammenhang zwischen Spiritualität und erfolgter Genesung her. Auch wenn die Daten stimmig erhoben wurden, scheint es, als ob man sich nur für den Glauben entscheiden müsse, um einige Lebensjahre dazuzugewinnen. Diese Befunde wirken verführerisch. Der Beitrag von Wilhelm Donner (Philosoph, Wien) geht kritisch der Tendenz nach, Spiritualität als Medizin zu betrachten. Religiosität dürfe nicht als Therapeutikum missdeutet werden, wenngleich sie zu nutzbringenden oder wünschenswerten Placebo-Effekten führt.

Die Theologin Katharina Westerhorstmann (Universität Bonn) stellt die Frage, ob Krankheit ein Weg sein kann, das Wesentliche im Leben besser zu erkennen und dadurch paradoxerweise als Mensch in der Krankheit zu „gesunden“? In ihren anthropologisch-ethischen Überlegungen zeigt sie, wie diese „Zumutung“ für den Menschen und seine Umgebung zum Katalysator werden kann, das ihm anvertraute Leben als Gabe und Aufgabe zu erkennen.

Clemens Pilar, Theologe und Priester (Kalasantiner, Wien), legt dar, dass neben sinnvollen Ansätzen, die die spirituelle Dimension des Menschen im therapeutischen Bereich berücksichtigen, besonders auf dem Gebiet der Alternativmedizin häufig Therapien zu finden sind, die unter dem Etikett der „Ganzheitlichkeit“ in Wahrheit die Personalität des Menschen leugnen und lediglich eine Pseudospiritualität anbieten.

Der Freiburger Medizinethiker Giovanni Maio widmet sich in der Rubrik „Aus aktuellem Anlass“ kritisch der Tendenz der Reproduktionsmedizin, wonach man die Fortpflanzung geradezu beliebig planbar und den eigenen Wünschen verfügbar machen könne. Anhand des sog. Social Egg Freezing (Einfrieren von Eizellen der Frau auf Vorrat für etwaige spätere Schwangerschaft) zeigt Maio auf, warum das Suggerieren einer Verfügbarkeit von Schwangerschaft auf Knopfdruck eine gefährliche Illusion ist.

Eine Vorschau der Imago-Hominis-Ausgabe 1/2014 mit dem Schwerpunkt „Spiritualität in der Medizin II“ findet sich auf http://www.imabe.org/index.php?id=1522, das Einzelheft kann um 10 Euro zzgl. Versandkosten bezogen werden.

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