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April 2014

Studie: Negativer Einfluss auf Arzt-Patienten-Kommunikation durch elektronische Patientenakte

Ärzten brauchen Trainings, um PC-bedingte Kommunikationsdefizite auszugleichen

Am Einsatz elektronischer Datenspeicher führt kein Weg vorbei – auch nicht in der Medizin. Gleichzeitig weiß man, dass neben High-Tech die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu den wichtigsten Determinanten der Zufriedenheit von Patienten mit ihrem Arzt und ihrer Behandlung, ihrer eigenen Therapietreue und damit letztlich auch des Behandlungsergebnisses bzw. der Gesundheit gehört. Dazu zählen nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch die Körpersprache und der Blickkontakt. Gibt es differente Verhaltensmuster zwischen Arzt und Patient, je nachdem, ob der Arzt am Papier notiert oder mit dem Computer arbeitet? Ja, sagt eine nun im International Journal of Medical Informatics (2014; 83(3): 225-234, DOI: 10.1016/j.ijmedinf.2013.11.003) erschienene Studie - und ihr Ergebnis ist ernüchternd: Wo Ärzte elektronische Patienteninformationen und Entscheidungshilfen via Computer und Bildschirm benützten, hatte dies einen negativen Einfluss auf Kommunikation zwischen Arzt und Patient.

Studienleiterin Enid Montague von der Feinberg School of Medicine an der Northwestern University in Chicago und ihr Kollege Onur Asan vom Medical College of Wisconsin/Milwaukee nahmen 100 Arzt-Patientengespräche per Videokamera auf (Alter der Patienten zwischen 18 und 65 Jahren) und untersuchten sie auf sämtliche kommunikativen Prozesse und Interaktionen hin. Der Fokus lag dabei auf der Auswertung des Blickkontaktes zwischen Arzt und Patient, der als wichtiger Motor für das Entstehen von Beziehung und Zufriedenheit gilt.

Das Ergebnis: Die Ärzte (Durchschnittsalter: 47 Jahre), die im Untersuchungsraum Zugang zur elektronischen Patientenakte hatten, verbrachten mehr als ein Drittel der Zeit damit, den Bildschirm anzuschauen. Gelenkt dadurch begannen auch die Patienten auf den Monitor zu schauen, unabhängig davon, ob sie den Text auf dem Monitor lesen oder verstehen konnten.

Dies führt zu negativen Effekten, so die Studienautoren: Das Verhalten der Ärzte macht es für Patienten schwer, die notwendige Aufmerksamkeit des Arztes zu wecken und zu erhalten – ein Teil der Zufriedenheit und des Sich-Verstandenfühlens. Außerdem bleiben für die Behandlung relevante nonverbale kommunikative Signale unbeachtet, und auch die Fähigkeit der Ärzte, zuzuhören, zu denken und Problemlösungen zu erwägen, ist merkbar eingeschränkt.

Studienautorin Montague hält das Sich-Verlassen auf Effizienz via Datentechnologie für gefährlich, wenn damit die zwischenmenschliche Beziehung im Arzt-Patienten-Verhältnis untergraben wird. Die Abhängigkeit von der Technik würde Kommunikationsdefizite noch steigern. Die Autoren empfehlen deshalb dringend einfache Trainings, wie Ärzte trotz Verwendung des Computers den Augenkontakt zu halten und damit die Dynamik der Begegnung zu verbessern lernen. Auch Patienten sollten ermutigt werden, in ihre Patientenakte einzusehen, wobei der Arzt diese patientengerecht erklären und erläutern sollte.

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