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September 2014

Reproduktionsindustrie: Rechte des Kindes stehen vor dem Recht auf ein Kind

Leihmutterschaft-Skandale in Thailand und Australien zwingen zu offener Debatte

Die Skandale rund um die Praktiken der Leihmutterschaftsindustrie in Thailand haben die westliche Öffentlichkeit aufgerüttelt und sorgen nun für eine offenere Debatte. Im Fall Gammy hatte ein australisches Paar bei einer Agentur ihr Wunschkind in Auftrag gegeben, die Leihmutter erwartete Zwillinge, von denen ein Kind behindert war. Die Thailänderin weigerte sich, das behinderte Kind selektiv abzutreiben, die Australier wollten aber nur das gesunde Kind. Sie ließen das Kind mit Down-Syndrom in Thailand zurück. Dies sorgte, obwohl schon seit Jahren gängige Praxis (vgl. IMABE 2012: Indien: Industriezweig Leihmutterschaft) weltweit für Empörung (vgl. Die Zeit, online, 2. 8. 2014).

Thailand arbeitet nun an einem Verbot kommerzieller Leihmutterschaft, Frankreichs Feministinnen fordern von Präsident Francois Hollande eine öffentliche Distanzierung gegen die vom EGMR eingeforderte rechtliche Anerkennung von ausländischen Leihmutter-Kindern als Franzosen. Leihmutterschaft ist in Frankreich verboten, was aber, so die Unterzeichner, durch dieses EGMR-Urteil untergraben werde. In einem offenen Brief (vgl. Libération, online, 14. 7. 2014) kritisieren prominente sozialistische Politiker, Wissenschaftler und feministische Organisationen die Ausbeutung der Frau als Leihmutter und die Degradierung des Kindes zur Ware: „Wir sind Personen, keine Sachen.“

„Die Leihmutterschaft ist ein entwürdigender Prozess, in dem sowohl die Frau als auch das Kind zum Objekt, zum Mittel zum Zweck kommerzialisiert und instrumentalisiert werden“, betont Susanne Kummer, Geschäftsführerin von IMABE. Noch ist Leihmutterschaft in 15 der 27 EU-Mitgliedsstaaten verboten, unter anderem in Österreich und Deutschland. Angesichts der hier geführten Diskussion „Recht auf ein Kind“, Legalisierung von Samen- und Eizellspende auch für gleichgeschlechtliche Paare (vgl. IMABE 2014: Österreich: Kritik am VfGH-Urteil zur Samenspende für lesbische Paare), ist der thailändische Fall ein Warnsignal und fordert Konsequenzen auf internationaler Ebene. „Solange es Staaten gibt, die das Kinderkriegen zu Dumpingpreisen anbieten, werden die Eltern auch dorthin gehen“, kritisiert Kummer im Interview mit der Zeit (online, 17. 8. 2014).

Es brauche deshalb ein weltweites Verbot, das gleichzeitig Abstand nimmt vom Gedanken, dass die Erfüllung eines Kinderwunsches gleichsam ein Menschenrecht sei, denn: „Wo liegt dann die Grenze?“, fragt Kummer.

Ein 24-jähriger japanischer Multimillionär hat sie auf seine Weise ausgelegt: Er hat in Thailand via Samenspende bereits 15 Kinder durch thailändische Leihmütter zur Welt bringen lassen (vgl. RTL, online, 26. 8. 2014). Der Millionär sieht kein Unrecht, er wollte für Nachwuchs sorgen, der später sein Firmenimperium übernimmt. Kummer: „Kinder haben Rechte, aber es gibt weder ein moralisches, noch käufliches Recht von irgendjemandem auf ein Kind.“

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