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Juni 2015

Arzt-Patient-Beziehung: Mediziner sollten in sozialer Kompetenz ausgebildet werden

Harvard-Professor fordert strengere Auslese bei mangelnder Fähigkeit im Umgang mit Patienten

Medizinstudenten sind idealistisch, sie wollen Menschen helfen, nach und nach würden ihnen allerdings im Zuge der Ausbildung diese hohen Ideale ausgetrieben – und auch die Empathie, sagt der an der Harvard Medical School lehrende Mediziner Richard M. Schwartzstein. Im New England Journal of Medicine (2015; 372: 1586-1587) schlägt er nun Lehrplanänderungen und Weichenstellungen für eine bessere Ausbildung und Auslese unter den angehenden Ärzten vor, in Hinblick auf deren zwischenmenschliche Kompetenzen.

Einige Länder sich bereits aktiv geworden: In der Schweiz etwa gehören Verhaltensweisen und soziale Kompetenzen seit 2011 zu den zentralen Lernzielen im Medizinstudium. Bei den Prüfungs-Fallbeispielen macht die entsprechende Beurteilung 20 bis 25 Prozent der Note aus. Auch Deutschland überarbeitet derzeit die Lernziele für das Medizinstudium. Dass die ärztliche Kommunikation unterstützt und gefördert werden muss, war auch Teil der Beschlüsse des Deutschen Ärztetages (vgl. Deutsches Ärzteblatt, online, 13.5.2015): Die Fakultäten sollten „die in der Approbationsordnung für Ärzte festgelegte Kompetenzentwicklung in der ärztlichen Gesprächsführung konsequent ausbauen“.

Derartige Maßnahmen könnten teilweise „die Erosion der humanistischen Qualitäten verhindern“, sagt Schwartzstein. Doch die Wissensvermittlung im Medizinstudium sei vor allem daten- und faktenbezogen, die Vermittlung von Kommunikation und Menschlichkeit werde jedoch immer noch stiefmütterlich behandelt. In der Ausbildung an den Krankenhäusern würden dann selbst motivierte Jung-Ärzte frustriert ihre Ideale zurückschrauben.

Kommunikation und zwischenmenschliche Fähigkeiten sind Schlüsselkompetenzen für jeden Arzt. Wenn dies so ist, dann müsse es laut Schwartzstein möglich sein, Studenten ohne diese Kernkompetenzen den Abschluss auch zu verweigern. Dies geschehe jedoch so gut wie nie – vor allem aus Angst vor Klagen.

Erst kürzlich hatte der Schweizer Psychosomatiker Wolf Langewitz vom Universitätsspital Basel das Problem der Evaluierung des Fachs „Soziale und kommunikative Kompetenzen“ angesprochen (vgl. Medscape, online, 28.4.2015). Da es keine verlässlichen Daten gäbe, bestehe das Gerücht, dass die Beurteilungen zu positiv ausfielen, wohl auch aus Unsicherheit der Prüfer und Furcht vor juristischen Problemen, auch wenn eine verbesserte Arzt-Patient-Beziehung inzwischen an allen Fakultäten präsenter sei, so Langewitz.

Lassen sich Haltungen wie Empathie und Menschlichkeit im Studium erlernen? Für Schwartzstein müsste man systematisch in der Ausbildung die richtigen Signale setzen: den Idealismus der Studenten unterstützen und ihnen anhand klinischer Erfahrungen zeigen, dass der Arzt-Beruf die Sorge um den Patienten als ganzen Menschen umfasst; Studenten in Werthaltungen zu unterstützen und schließlich Organisationsstrukturen zu fördern, die Ärzten mehr zeitliche Widmung an den Patienten ermöglichen.

Foto: © Fotolia_53678793_Edyta Pawlowska

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