Startseite   Das Institut   Mitarbeiter   Sponsoring   Kontakt/Impressum   Login   Suche
September 2015

Künstliche Befruchtung: Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bei IVF-Kindern

Kritik an globaler Industrie der Reproduktionsmedizin auf Kosten von Gesundheit und Kindeswohl wächst

Die technisch assistierte Fortpflanzung ist eine gewinnbringende Industrie: Laut aktuellem Report Global In-Vitro Fertilization (IVF) Market 2014 – 2021 des Internationalen Marktforschungsinstituts Allied Analytics LLP soll der globale IVF-Markt bis 2021 auf schätzungsweise 11,3 Milliarden Dollar ansteigen. Wichtigste Faktoren für die steigende Nachfrage seien u. a. später Kinderwunsch, Lebensstiländerung und Fertilitätsstörungen. In Großbritannien etwa hat sich die Zahl der Single-Frauen, die via Samenbank ihr Wunschkind bekommen, in den letzten 10 Jahren auf mehr als 950 Frauen verdreifacht (Bionews, online 17.8.2015); in Kalifornien unterziehen sich Paare, die bereits Kinder haben, einer künstlichen Befruchtung, um das Geschlecht des Kindes wählen zu können (vgl. Wall Street Journal, online, 17.8.2015).

Ein globaler Markt sei das, bei dem die Wohlhabenden „wie in einem Supermarkt“ die Körper und Keimzellen anderer Menschen kauften, um ihren Lebensplan umzusetzen. Das sei falsch und mit der Menschenwürde nicht zu vereinbaren, kritisiert die österreichische Journalistin Eva Maria Bachinger in ihrem jüngsten Buch Kind auf Bestellung: Ein Plädoyer für klare Grenzen (Deuticke, 2015) Während Marktanalysten lukrative Wachstumschancen für IVF-Dienstleister prognostizieren, werden Frauen und Paare über die Schattenseite der Methoden und die negativen Folgen dieser globalen Industrie häufig im Unklaren gelassen. Von den Risiken und Qualen hormoneller Stimulationstherapien, von Knebelverträgen für Leihmütter, die oft gar nicht lesen können, der Entlohnung der Eizellspenderinnen und von den Gewinnen der Kliniken erfahren sie nichts, so Bachinger (vgl. FAZ, online, 9.8.2015). Die Frage nach dem Wohl und den Rechten des Kindes werde zunehmend ersetzt durch die Frage, was Paare wünschen, so Bachinger.

Dass auch mehr Aufklärung über die geringe Erfolgsrate nach dem Einfrieren von Eizellen und über die gesundheitsschädigenden Folgen der IVF auf den Nachwuchs nötig ist, zeigen zwei weitere aktuelle Studien: Der Reproduktionsmediziner Edgar Mocanu, Vorstandsmitglied der International Federation of Fertility Societies, kritisierte jüngst die Propagierung des sog. Social Egg Freezing als Methode des Umgehens der reproduktiven Alterung zwecks Kinderwunscherfüllung. Die Wissenschaft habe für die Wirksamkeit dieser Methode noch keine ausreichenden Daten zur Verfügung, im Gegenteil: Das neue Verfahren werde eher überschätzt, so Mocanu in BioNews (online, 24.8.2015). Frauen, die ihren Kinderwunsch „auf Eis“ legen, hätten später geringe Chancen, Mutter zu werden, mahnen Experten (vgl. The Telegraph, online, 7.9.2015). So hält eine in JAMA publizierte Studie (2015;314(6):623-624. doi:10.1001/jama.2015.7556) Beschädigungen im Auftauverfahren für den Grund der signifikant geringeren Fertilisierungsrate kryokonservierter Eizellen (vgl. Daily Mail, online, 11.8.2015).

Neuere Studien erhärten zudem Hinweise darauf, dass In-vitro-Fertilisation ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen bei den betroffenen Kindern darstellt. Das berichtete der Kardiologe Emrush Rexhaj vom Inselspital Bern auf dem Kongress der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) in London (vgl. Pressemeldung, online, 1.9.2015). Eine kürzlich im Fachjournal Cardiovascular Medicine publizierte Studie (2015: 18(4), 115-119) über Retortenbabies zeigte eine ausgeprägte generalisierte Funktionsstörung der Gefäße und eine deutlich erhöhte Gefäßwanddicke der Halsschlagader im Vergleich zu Kontrollkindern. Im Gegensatz dazu war die Gefäß-Funktion zum Beispiel der Eltern dieser IVF-Kinder und bei natürlich gezeugten Geschwistern der IVF-Kinder normal. Ein Zusammenhang zwischen schädlichen Einflüssen während der Fetalzeit und einer erhöhten Häufigkeit von kardiovaskulären und metabolischen Erkrankungen im späteren Leben konnte bereits mehrfach gezeigt werden. Die IVF umfasse die Manipulation des frühen Embryos in einer möglicherweise besonders empfindlichen Phase: „Ein ähnlicher Mechanismus wird bei IVF-Kindern angenommen“, so der Schweizer Kardiologe.

Foto: © Fotolia_49502092_koya979

^ Seitenanfang

<< voriger Monat   < voriger Artikel   nächster Artikel >   nächster Monat >>