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Mai 2016

Stigma: Krebspatienten assoziieren Palliativangebot mit baldigem Tod

Kanadische Ärzte fordern neues „Branding“, um Vorurteile abzubauen

„Palliative Care“ wird von Patienten mit Todesnähe assoziiert und ist daher angstbesetzt. Darin liegt offenbar einer der Gründe, warum unheilbar kranke Krebspatienten, deren Familienangehörige, aber auch Ärzte und Pflegekräfte nicht früh genug das Angebot einer palliativen Betreuung in Anspruch nehmen bzw. anraten. Dies zeigt eine aktuell im Canadian Medical Association Journal publizierte Studie (2016, doi:10.1503/cmaj.151171). 48 Krebspatienten und 23 Ärzte und Pflegende hatten angegeben, dass sie die Bezeichnung Palliativpatienten als stigmatisierend empfinden. Die Hälfte der Patienten, die früh palliativ betreut wurden, änderte jedoch im Laufe der Behandlung ihre Wahrnehmung. Sie hatten nicht nur eine bessere Lebensqualität, sondern erlebten diese Form der Versorgung auch als äußerst hilfreich. Um Ängste abzubauen, die Wahrnehmung der Palliativmedizin zu verbessern und einen früheren, auch ambulanten Zugang zu palliativen Behandlungen zu erleichtern, schlägt Studienleiterin Camilla Zimmermann von der University of Toronto ein neues „Branding“ für die Palliativmedizin und -pflege vor (vgl. Pressemitteilung, online, 19.4.2016). Ein neuer Name, etwa Supportive Care, könne ihrer Meinung nach dazu beitragen. Dazu müsste aber auch ein Umdenken bei Ärzten und Pflegenden stattfinden. Selbst unter ihnen herrschten bei Palliativmedizin Assoziationen wie Hoffnungslosigkeit, Tod und nahes Lebensende von stationären Patienten. Eine weitere Quelle der Stigmatisierung liege in der medialen Darstellung, so Zimmermann, die auch das University Health Network Palliative Care-Programm leitet.

Claudia Bausewein, Leiterin der Palliativmedizin am Klinikum Großhadern/München, hält eine Änderung des Namens jedoch für Augenauswischerei. Es gehe „nicht um Namen, sondern um Inhalte“, so Bausewein gegenüber der Süddeutschen Zeitung (online, 18.4.2016). Das „Problem mit dem Begriff“ sei „auch ein Problem mit dem Thema“. Eine Medizin, die sich nur über Heilung definiert, scheut Gespräche und Behandlungen von unheilbar Kranken. Erst kürzlich hatte die deutsche Onkologin Eva Winkler gefordert, dass „die individuelle und ausführliche Aufklärung über die Möglichkeiten der Palliativtherapie nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll“ (vgl. IMABE 4/16).

Foto: © Fotolia_69719426_Photographee.eu

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