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Oktober 2016

Demenz: Neue Konzepte für eine menschenwürdige Sorge um Demenzkranke im Alltag und in Spitälern

Schulungen und interdisziplinäre Modelle fördern besseres Eingehen auf Demenzkranke

Demenz ist ein mit Angst, mangelndem Wissen und Vorurteilen behaftetes Thema. Sie zählt zu den am meisten gefürchteten Erkrankungen. Ein von der britischen Alzheimer-Gesellschaft vorgestellter Report 2016 hat gezeigt, dass laut Umfrage 56 Prozent bei Symptomen versuchen würden, eine Demenzdiagnostik mindestens für ein Jahr aufzuschieben. 62 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass mit der Diagnose Demenz ihr Leben nun vorbei wäre. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) glaubt, dass eine Demenz-Diagnose bedeutet, vertraute Dinge nicht mehr genießen zu können, und 24 Prozent sind der Überzeugung, dass Menschen, die eine Demenz-Diagnose erhalten haben, ab sofort nicht mehr allein spazieren gehen dürften.

In Deutschland hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Initiative Demenz Partner ins Leben gerufen. Die Kampagne soll in den kommenden fünf Jahren das Wissen über Demenz verbessern und helfen, mehr Verständnis für Demenzkranke zu entwickeln und ihnen im Alltag hilfreich zur Seite zu stehen.

Unter Federführung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft werden bundesweit 90-minütige kostenlose Kurse angeboten, die Menschen aus allen Alters- und Berufsgruppen schulen sollen, wie sie mit Menschen mit Demenz im Alltag umgehen. Zielgruppe sind insbesondere Menschen, die im öffentlichen Dienst, in Supermärkten, im Personennahverkehr, bei der Polizei, Feuerwehr aber auch in Vereinen arbeiten und sich engagieren, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 6.9.2016). Vorbild der Initiative ist die Aktion Dementia Friends der Alzheimer-Gesellschaft in Großbritannien, die eine Initiative aus Japan aufnahm. Dort läuft die Aktion bereits seit zehn Jahren.

Die Betreuung von Demenzkranken in Akutkrankenhäusern ist eine große Herausforderung. Mindestens jeder fünfte Patient im Akutkrankenhaus leidet an Demenz als Nebendiagnose. „Häufig erhalten die Betroffenen eine unzureichende Versorgung, sodass sich ihr Zustand im Krankenhaus verschlechtert“, kritisierte Ursula Sottong vom Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln. Kognitive Fähigkeiten würden sich verschlechtern, das Risiko eines Delirs sei erhöht, und die Patienten würden häufig mangelernährt entlassen, heißt es im Deutschen Ärzteblatt (online, 5.9.2016). Anhaltende, weil nicht erkannte Schmerzen und die Überforderung mit der neuen Umgebung seien die häufigsten Ursachen für ängstliches und aggressives Verhalten, was wiederum Körperfixierungen zur Folge haben kann.

Das Malteser Krankenhaus St. Hildegardis führt eine eigene Special Care Unit (Station Silvia) für demenzkranke Patienten. Der Tagesablauf richtet sich in dieser beschützenden Einheit nach den individuellen Bedürfnissen der Demenzkranken, die Orientierung wird für die Patienten durch ein kontrastreiches, klares Farbkonzept erleichtert. Untersuchungen und Therapien finden möglichst auf der Station statt, Alltagsbegleiter unterstützen das therapeutische Team. Man sorgt für gemeinsame Mahlzeiten, zudem werden Angehörige aktiv in die Betreuung eingebunden, das gesamte Personal ist demenzkompetent geschult.

Fazit: Patienten, die mit der Nebendiagnose Demenz ins Krankenhaus kommen, können von solch einer speziellen Betreuung profitieren. Unerwünschte Pflegephänomene kamen seltener vor, auch körpernahe Fixierungen waren viel seltener, so die von Studienleiter Jochen Hoffmann vorgestellten Ergebnisse am Demografiekongress 2016 in Berlin. In ganz Deutschland gibt es rund 20 solcher Special Care Units in Akutkrankenhäusern. Österreich ist in diesem Punkt komplett unterversorgt. Die momentan einzige interdisziplinäre Demenzstation hat das Klinikum Wels-Grieskirchen (vgl. ÖON, online, 3.12.2014).

Foto: © Fotolia_54333936_Alexander_Raths

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