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Zur Durchführung der Präimplantationsdiagnostik in Österreich

Am 2. Juli 2005 und den darauf folgenden Tagen wurde in den österreichischen Medien über die Durchführung der ersten Präimplantationsdiagnostik in Wien durch den Genetiker Markus Hengstschläger und den Reproduktionsmediziner Wilfried Feichtinger berichtet. Damit sei das Verfahren nun, laut Feichtinger, ärztlicher Leiter und geschäftsführender Direktor des „Wunschbaby-Zentrums“ in Wien, etabliert.

Die Technik der In-vitro-Fertilisation bei fortgeschrittenem mütterlichen Alter ist durch eine deutlich reduzierte Implantationsrate charakterisiert. Dies dürfte mit der Tatsache in Zusammenhang stehen, dass bei zunehmendem Alter der Mutter chromosomale Abweichungen der Eizellen häufiger werden. Die negative Selektion von chromosomal abnormalen Embryonen vor deren Implantation kann nur durch die Präimplantationsdiagnostik erfolgen, entweder durch die Polkörper- oder die Blastomerenanalyse. Im Rahmen der Eizellreifung erfolgen zwei Teilungen: Zunächst wird der doppelte Chromosomensatz der Eizelle unter Bildung des so genannten ersten Polkörpers auf einen einfachen Chromosomensatz reduziert. Schließlich folgt nach Eindringen des Spermiums in die Eizelle die Vollendung der zweiten Teilung, bei der der so genannte zweite Polkörper ausgeschleust wird. Bei der Polkörperanalyse werden im Rahmen des künstlich herbeigeführten Befruchtungsvorganges diese Polkörper entnommen, um an ihnen genetische Untersuchungen vor allem zum Ausschluss chromosomaler Fehlverteilungen bzw. auch zur Diagnostik monogener Erbkrankheiten durchzuführen.

Die so genannte Polkörperdiagnostik wird von vielen Reproduktionsmedizinern als ethisch annehmbare Alternative zur Blastomerendiagnostik propagiert, da die Schutzwürdigkeit des Embryos nach ihrer Meinung erst mit der Kernverschmelzung beginnt. Sie versucht, das zeitlich enge Fenster von Einbringung des Spermiums in die Eizelle bis zur Verschmelzung der beiden Vorkerne als so genannte Präkonzeptionsdiagnostik oder Präfertilisationsdiagnostik für die selektive genetische Diagnostik zu nutzen.

Hengstschläger und Feichtinger meinen, die Vorgangsweise der Polkörperdiagnostik stehe deswegen im „ethisch diskussionsfreien Raum“. Dem muss entgegengehalten werden, dass schwere ethische Bedenken gegenüber der künstlichen Befruchtung und der Selektion bestehen bleiben:

a) Künstliche Befruchtung: Es werden weiterhin im Reagenzglas Embryonen hergestellt, was immer eine gegen die Menschenwürde gerichtete Instrumentalisierung des Kindes und der Ei- und Samenzellenspender darstellt.

b) Beginn des Menschen: Die Befruchtung beginnt definitionsgemäß mit dem Eindringen der Samenzelle in die Eizelle. Es ist in keiner Weise gesichert, dass es sich hier noch nicht um einen menschlichen Embryo handelt, nur weil die Befruchtung noch nicht abgeschlossen ist. Aus Achtung vor der Menschenwürde sollte selbst bei Unsicherheit davon ausgegangen werden, dass es sich dabei schon um einen Menschen handelt.

c) Selektion: Embryonen werden unter dem Vorbehalt erzeugt, erst bei fehlenden genetischen Auffälligkeiten im Rahmen der Polkörperdiagnostik in den Mutterleib transferiert zu werden. Bei auffälligen oder zweifelhaften Resultaten wird der Befruchtungsvorgang unterbrochen. Es handelt sich um eine negative Selektion und damit ist die Grenze zur Eugenik überschritten.

d) Lifestyle-Medizin: Eine breite Anwendung der Polkörperdiagnostik könnte auch solche Paare zu einer künstlichen Befruchtung veranlassen, welche sonst auf natürlichem Wege ein Kind zeugen könnten, um so die Möglichkeit der Präimplantationsdiagnostik und damit einer Qualitätssicherung in Anspruch nehmen zu können.

Daher ist aus ethischer Sicht auch die Polkörperdiagnostik als nicht zulässig einzustufen.

Wien, am 14. Juli 2005

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