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November 2017

Künstliche Befruchtung: Übrig gebliebene Embryos werden zu Schmuckstücken verarbeitet

Ethikerin Kummer: Statt die Todeserfahrung aufzuarbeiten, wird sie in einer perfiden Geschäftsidee emotional verbrämt

In Österreich wurden im Zuge der künstlichen Befruchtung in den vergangenen 15 Jahren mehr als eine halbe Million Embryonen hergestellt. Tausende übrig gebliebene Embryonen lagern tiefgekühlt, da die Eltern ihre Familienplanung mittels IVF schon abgeschlossen haben. Ähnlich die Lage in anderen Ländern: In den Jahren 1991–2012 blieben in Großbritannien 1,7 Millionen Embryonen übrig, sie fanden keine Verwendung mehr. In den USA sollen Schätzungen zu Folge derzeit 600.000 bis zu einer Million übrig gebliebenen Embryonen lagern.

Eine Reduktion der Herstellung von Embryonen im Zuge der IVF scheint in den USA keine Option zu sein – dort floriert das Geschäft mit der sog. Embryonen-Adoption, also der Weitergabe von Embryonen an Dritte. Diese wird jährlich mit 980.000 US-Dollar öffentlich subventioniert (vgl. US-Department of Health & Human Services). Was soll in Zukunft mit überflüssig erzeugten Embryonen geschehen? Nicht alle Eltern sind bereit, ihre Embryonen im Zuge von Forschungsvorhaben zerstören zu lassen oder an andere weiterzugeben, auch die Miete für die Tiefkühlung kann zur finanziellen Belastung werden.

In Australien bahnt sich ein neuer Geschäftszweig an: Die Firma Baby Bee Hummingbirds bietet an, Embryonen als Andenken in Schmuckstücke zu präparieren: Paare, die nach einer künstlichen Befruchtung vor der Entscheidung stehen, was mit ihren tiefgefrorenen Embryonen zu geschehen hat, können diese in ein Schmuckstück verwandeln lassen (vgl. Kidspot, online, 3.7.2017). Die menschlichen Embryonen werden dabei zu Asche verbrannt, in der die DNA erhalten bleibt. Die Asche wird mit Harz versetzt und zu Anhängern oder Ringen präpariert. Mütter berichten, sie hätten ihre Embryonen nun als ein schönes Andenken immer bei sich – zum Beispiel sieben Embryonen in einem herzförmigen Anhänger. Die Eltern hätten sich keine weitere Lagerung der Embryonen leisten können.

Für Ethikerin Susanne Kummer steckt dahinter eine perfide Geschäftsidee. „Wir wissen aus der Praxis, dass viele Frauen nach einer künstlichen Befruchtung eine Beziehung zu ihren Embryonen im Tiefkühlgerät behalten. Die emotionale Nabelschnur bleibt. Das ist durchaus belastend für die Frauen. Das innere Wissen, dass es sich nicht bloß um Zellklumpen handelt, sondern um potentielle Kinder, lässt sich nicht immer wegschieben.“ So werden in Internetforen tiefgefrorene Embryonen als „Eisbärlis“ oder „Schneeflocken“ bezeichnet. Eine spanische Reproduktionsmedizinerin erklärt auf ihrer Webseite, dass Embryos wie „in kalten Kindertagesstätten leben, in Tanks mit Abteilen, in welchen die Geschwister zusammen, in Plastikbechern, untergebracht sind, jede Familie in ihrer Farbe.“

„Wir haben 40 Jahre künstliche Befruchtung erlebt. Es zeigt sich, dass der Technik inhärente Widersprüche entstehen, die sich ethisch nicht mehr sinnvoll auflösen lassen: Weder gibt es eine Verpflichtung, Millionen von Embryonen zu adoptieren, noch sie utilitaristisch zum Freigut für Forschungszwecke zu erklären“, betont Kummer. „Der Widerspruch der IVF bleibt: Das Zur-Welt-Bringen des einen Kindes bedeutet zugleich das Vernichten von anderen Embryonen.“ Statt diese Todeserfahrung und unverantwortliche Erzeugung von Embryonen entsprechend aufzuarbeiten, stellt die Geschäftsidee aus Australien eine emotionale Verbrämung dar. „Das ist ein perfider Versuch, das innere Wissen um die Kostbarkeit jedes Menschen ästhetisch-konsumistisch zu sublimieren. Mit Totenkult hat das nichts zu tun. Hier werden aus Menschen, die selbst hätten leben und Schmuck tragen können, Schmuckstücke hergestellt. Der Embryo wird damit endgültig zur Sache.“

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