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Februar 2018

Klonen von Affen: Ist China auf dem Weg zur Tierfabrik?

Stanford-Wissenschaftler kann sich Menschenklon zur Trauerbewältigung vorstellen

Seit der Geburt des berühmten Klonschafs Dolly vor 22 Jahren wurden weltweit zahlreiche Tiere geklont: Pferde, Schweine, Rinder und Hunde – insgesamt 23 Tierarten. Chinesischen Wissenschaftlern gelang es nun erstmals, Primaten zu klonen. Die beiden genetisch identen Makaken-Äffchen bekamen die Namen Zhong Zhong und Hua Hua, was zusammengesetzt (Zhonghua) jeweils das Wort „China“ ergibt.

Wie das Team der Chinese Academy of Science im Fachjournal Cell (2018; doi: 10.1016/j.cell.2018.01.020) schreibt, hätten sie bei ihren Versuchen eine leicht modifizierte Form der Technik verwendet, mit der Forscher um den Schotten Ian Wilmut 1996 das Klonschaf Dolly erschufen. Die Chinesen führten einen Kerntransfer aus einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle durch, wobei sie dafür auch Fetalzellen abgetriebener Affenembryonen benutzten. Verglichen mit den Dolly-Versuchen konnten sie die Effizienz zwar verbessern, technisch gesehen bleibt das Klonen von Menschen dennoch vorerst eine Utopie (vgl. Die Tagespost, online, 7.2.2018). Viel eher gehe es um eine „biotechnologische Machtdemonstration“ der Chinesen.

Bei ihren Versuchen haben die Forscher mittels des von ihnen modifizierten somatischen Kerntransfers insgesamt 301 Klonembryonen erzeugt. 260 von ihnen seien anschließend auf 63 Leihmutteraffen transferiert worden. Dabei sei es zu 28 Trächtigkeiten und vier Geburten gekommen. Zwei der vier Affen seien jedoch kurz nach der Geburt gestorben. Überlebt haben zwei Makaken-Äffchen, die beide aus den Fetalzellen abgetriebener Affenembryonen entstanden sind. Noch weisen sie keine Anzeichen gesundheitlicher Schäden auf.

Das Klonen von Menschen aus abgetriebenen Föten scheint kein logisches Ziel des Versuchs. Vielmehr handle es sich um den Startschuss zur Serienproduktion genetisch identer Primaten für die medizinische Forschung, schreibt die Zeit (online, 31.1.2018). Es soll so eine regelrechte Tierversuchsindustrie entstehen, die China zu einem Global Player in der Medizinforschung machen soll.

Bereits im Jahr 2016 hatte Nature unter dem Titel Das Königreich der Affen (532: 300-302, 21. April 2016) angesichts der Abwanderung der Primatenforschung aus Europa und den USA nach China davor gewarnt, dass China bald eine Monopolstellung einnehmen werde. „Wer die genetische Vielfalt durch Klonen senkt, braucht in vielen Tierversuchen weniger Tiere, um signifikante Ergebnisse zu erzielen“, erklärt Stefan Treue vom Primatenzentrum Göttingen (vgl. Die Zeit online, 24.1.2018). Außerdem sind Tierversuche mit Primaten aufgrund genetischer, physiologischer und anatomischer Ähnlichkeit zum Menschen besonders interessant.

Mit den Primaten-Klonen hat – wieder einmal – die Debatte um die ethische Frage des Klonens von Menschen eingesetzt (vgl. IMABE 05/2014). Ein internationales Menschen-Klonverbot ist bereits mehrmals gescheitert. „Die Frage rund ums Menschenklonen wird weitgehend scheinheilig und unter utilitaristischen Argumenten geführt“, sagt IMABE-Generalsekretär Enrique Prat. Man unterscheide beim Menschen immer noch „ein gutes und ein böses Klonen“ (vgl. Gastkommentar im Standard, online, 23.5.2013). Als gut und nützlich gilt das sog. therapeutische Klonen – also die Herstellung von menschlichen Klonembryonen zu Forschungszwecken. „Es widerspricht der menschlichen Würde, zu einem Heilmittel degradiert und in Kulturen angebaut zu werden“, stellt Prat klar. Das sog. reproduktive Klonen teilt diese Missachtung der Menschenwürde. Zudem müsse man für das Klonen von Menschen „auf Kolonien von Frauen zurückgreifen, die ihre Eizellen spenden oder als Leihmütter zur Verfügung stehen“. Es würde zu Hunderten Fällen von Fehlgeburten kommen – oder auch zur Geburt von fehlgebildeten Kindern.

Der Rechtswissenschaftler Henry Greely, Direktor des Center for Law and the Biosciences an der Stanford University, ist spezialisiert auf Implikationen biomedizinischer Technologien. Er führt ein umstrittenes Pro-Klonen-Argument ins Treffen: den Wunsch trauernder Eltern, die ein genetisches Duplikat ihres toten Kindes herstellen wollen. In der Praxis seien die Anstrengungen dafür in den kommenden Jahrzehnten aber sicherlich zu umfangreich und kostspielig, so Greely (vgl. Time, online, 24.1.2018). Marcy Darnovsky, Direktorin des Center for Genetics and Society in Berkeley, Kalifornien, hält Greelys Klonargument für unethisch. Das neue Kind wäre „psychologischen und emotionalen Risiken unterworfen, im Schatten seines genetischen Vorgängers zu leben“.

Foto: © Fotolia_166100439_seregraff

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