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September 2018

Studie: Weder Polkörperdiagnostik noch PID können Chance auf ein Baby steigern

IVF-Report für Österreich zeigt Anstieg von Komplikationen bei Eizellgewinnung

Kann die Zahl der Lebendgeburten nach künstlicher Befruchtung mittels Polkörperdiagnostik erhöht werden? Dieser Frage ging nun eine von der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) in Auftrag gegebene Studie nach. Bei einer Polkörperdiagnostik wird die Eizelle auf zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen untersucht, da sog. Aneuploidien eine wichtige Ursache für die Abnahme der Fruchtbarkeit sind.

Das Ergebnis der in Human Reproduction publizierten Studie (Human Reproduction, 2018; 33(9): 1767–1776) ist ernüchternd: Die erhoffte Zunahme der Lebendgeburten nach einer Polkörperdiagnostik blieb aus. Von den 205 Frauen mit Chromosomenscreening gebaren 50 (24 Prozent) innerhalb eines Jahres ein lebendiges Kind. In der Kontrollgruppe ohne Screening war der Prozentsatz gleich hoch: Der Kinderwunsch erfüllte sich bei 45 von 191 Frauen (24 Prozent). Viele Kinderwunschzentren bieten älteren Frauen eine Polkörperdiagnostik an, die Kosten liegen bei 1.500 bis 2.000 Euro. Die ESHRE stellt nun den Nutzen des weit verbreiteten Verfahrens infrage.

Für ebenfalls umstritten hält ESHRE die Präimplantationsdiagnostik (PID) als Methode, um die Zahl von Lebendgeburten nach künstlicher Befruchtung zu erhöhen. Zwischen 2007 und 2016 sind zahlreiche Studien erschienen, wonach die PID keinen positiven Effekt auf die Baby-Take-Home-Rate hat (vgl. IMABE 06/2016). Dennoch wird die PID inzwischen als „Goldstandard“ zur Erfüllung des Kinderwunsches nach mehreren Fehlgeburten angeboten, was inzwischen auch in Österreich gesetzlich möglich ist.

Der aktuelle Report des österreichischen IVF-Registers (Juni 2018) zeigt, dass im Jahr 2017 die Zahl der IVF-Versuche bei 10.216 auf 6.766 Paaren lag. Dies entspricht einer Steigerung von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ergibt eine durchschnittliche Rate von 1,5 Behandlungszyklen je Frau, so der Jahresbericht. Seit 2015 sind auch Eizellenspenden in Österreich erlaubt. 63 IVF-Versuche wurden mit fremden Eizellen durchgeführt. Ob es bei dieser risikoreichen Form der künstlichen Befruchtung auch zu Lebendgeburten gekommen ist, erfährt man allerdings nicht, auch nichts über die Herkunft der Spenderinnen. 233 IVF-Versuche wurden mit anonymen Samenspenden vorgenommen.

Dass die hormonelle Stimulierung für Frauen keineswegs ungefährlich ist, zeigen die aktuellen Daten. In 591 Fällen kam es zu einer hormonellen Überstimulation (OHSS) und damit zu einer signifikanten Gefährdung der Gesundheit der Frau. Zum Vergleich: 2016 waren es mit 492 noch rund 100 Fälle weniger. In 44,6 Prozent aller vorzeitig beendeten Versuche war die hormonelle Belastung der Grund. Insgesamt mussten 1.578 IVF-Versuche abgebrochen werden (15,4 Prozent). In 58 Fällen war eine Eileiterschwangerschaft dafür verantwortlich, bei der aufgrund der Bedrohung für das Leben der Mutter ein Schwangerschaftsabbruch vorgenommen werden musste.

IMABE-Geschäftsführerin Susanne Kummer kritisiert, dass der IVF-Report darüber hinaus keinerlei Daten zur weiterhin niedrigen Erfolgsrate nach IVF angibt. Die durchschnittliche Baby-Take-Home-Rate liege in den österreichischen IVF-Vertragszentren bei 26,4, das heißt, „drei Viertel aller Frauen geht trotz mehrerer IVF-Versuche ohne Kind nach Hause“, so die Ethikerin.

Gegenüber dem Deutschen IVF-Report werden in Österreich viele wichtige Daten offenbar erst gar nicht erhoben. Es gibt – mit Ausnahme spärlicher Daten zum sog. Hyperovulationssyndrom – keine Aufschlüsselung über negative Vorkommnisse, wie etwa die viel größere Zahl der Fehlgeburten oder auch Totgeburten nach IVF. Auch das Phänomen der selektiven Abtreibung eines Embryos bei Mehrlingsschwangerschaften bleibt unerwähnt. Das Deutsche IVF-Register ist hier um einiges weiter, betont Kummer. So zeigen die im Dezember 2017 veröffentlichten deutschen Daten (Jahrbuch 2016), dass die Fehlgeburtenrate bei 20 Prozent (5.133 Fälle) lag. In 784 Fällen kam es zu schweren Komplikationen: 303 Kinder wurden im Zuge einer IVF abgetrieben, 271 Kinder wurden nach IVF mit Behinderung, 210 Kinder tot geboren. Insgesamt wurden 2015 in Deutschland mehr als 20.000 Kinder nach künstlicher Befruchtung geboren, die durchschnittliche Baby-Take-Home-Rate (Lebendgeburt pro Behandlung) wird mit 20 Prozent angegeben.

Foto: © Fotolia_49502092_koya979

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