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Zur angekündigten Zulassung von RU-486 in Österreich

Die Ethikkommission des IMABE-Instituts (Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik) hat sich aus aktuellem Anlaß mit der bevorstehenden Zulassung für das Medikament Viagra in Österreich befaßt. Auf Grund jener der Öffentlichkeit zugegangenen pharmakologischen Information über dieses Medikament sieht die Kommission keinen ethischen Einwand, das Medikament zur Behandlung der somatischen erektilen Dysfunktion zuzulassen. Eine Behandlung der psychogenen Dysfunktion mit der neuen Substanz scheint allerdings problematisch, weil sie die wahren Wurzeln der Krankheit verdecken und daher einer dauerhaften Heilung im Wege stehen könnte. Wegen der Nebenwirkungen, Kontraindikationen und des Mißbrauchs begrüßt die Kommission, daß das Arzneimittel nur als rezeptpflichtig zugelassen wird.

Bedauerlicherweise wurden in den Monaten vor der Zulassung auch in der österreichischen Öffentlichkeit mit großer medialer Unterstützung Erwartungen bezüglich des neuen Produktes geweckt, die weit über eine rein therapeutische Wirkung des Präparates hinausgehen. Viagra ist ein Medikament aber kein Aphrodisiakum. Es ist keine „Lustpille“ und darf auch nicht zur „life-style-Droge“ werden. In diese Richtung dürfte jedoch trotz Rezeptpflicht die Erwartung der meisten Leute gehen, die durch die Art der Medienberichterstattung vielfach noch verstärkt wurde. Diese Entwicklung veranlaßt die Ethikkommission zur Feststellung, daß das neue Präparat keine Änderung der Sittlichkeitsregel mit sich bringt, und daher sollte es ausschließlich der Erleichterung des sexuellen Umgangs innerhalb der Ehe und im Dienste der doppelten Zielsetzung, nämlich der ehelichen Liebe und der Fortpflanzung, eingenommen werden. Sowohl aus individual- als auch aus sozialethischen Gründen ist die Verwendung von Viagra außerhalb der Ehe nicht zu rechtfertigen. Diese These kann mit rein vernünftigen Argumenten belegt werden und darf deshalb nicht mit dem Hinweis abgetan werden, daß sie nur religiös motiviert sei. Beziehungsstörungen, Egoismus, mangelnde personale Begegnungs- und Liebesfähigkeit, aber auch Depressionen gehen heute einher mit Überreizung, mit Hypersexualisierung und überfrachteten sexuellen Höchstansprüchen.

Die Ethikkommission appelliert an die Öffentlichkeit des Landes und ganz besonders an die Medien, nicht zuzulassen, daß Viagra in ein Instrument zur Luststeigerung umfunktioniert wird. Man müßte als schizophren und auch als unglaubwürdig die Haltung jener bezeichnen, die auf den Sexualmißbrauch von Minderjährigen mit Empörung und mit dem Verlangen nach Verschärfung der Bestrafung dieser Delikte reagieren, gleichzeitig aber die Verbreitung von Mitteln der sexuellen Permissivität offen fördern. Es sind keine weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen nötig, um Gewißheit darüber zu erlangen, daß jeder Schritt in der Richtung der Sexualpermissivität zumindest eine indirekte Förderung der Sexualdelikte bedeutet. Wer das eine will, muß sich gefallen lassen, für das andere auch mitverantwortlich gemacht zu werden.

Wien, am 24. September 1998

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