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November 2018

IMABE-Symposium 19.10.2018: „Die Medizin muss mitfühlender werden“

Experten betonen die untrennbare Verbindung von Heilen und Kommunikation

Weder Ärzte noch Pfleger können ihren Heilungsauftrag ausführen, wenn das Vertrauen des Patienten fehlt: Das haben Fachexperten am 19. Oktober 2018 in Wien beim diesjährigen interdisziplinären Symposium über Kommunikation am Krankenbett: Herausforderungen für Medizin und Pflege unterstrichen. „Kommunikation, Empathie, Respekt und Information sind laut Studien für Patienten um ein Vielfaches wichtiger als das Essen oder das schöne Zimmer“, erklärte Susanne Kummer vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik (IMABE) bei der Eröffnung der prominent besetzten Tagung, die IMABE in Kooperation mit der PVA und der SVA in Wien veranstaltete.

Patienten empfinden eine schwere Krankheit nicht bloß körperlich oder emotional, sondern als existenzielle Bedrohung. In ihren Nöten bräuchten sie eine „annehmende Resonanz“, betonte der Krankenhausseelsorger Erhard Weiher vom Uniklinikum Mainz. Schwerkranke und Angehörige müssten sich vor allem „verstanden und wertgeschätzt“ wissen. Ärzte und Pfleger seien dank ihrer Berufsrolle ein besonderes „Auffang-Gefäß“ und ein „verlässlicher Pol, an dem sich Leidende aufrichten können“, so der Theologe. „Nicht wir geben den Patienten Trost, sondern wir helfen ihnen, dass sie an ihre eigenen Trostquellen herankommen!“ Wichtig sei für Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, das Bewusstsein: „Wir können die Krankheit nicht beseitigen, wohl aber die 'Tragflügel' verbreitern, mit denen Menschen ihrem Schicksal begegnen können.“

Über die Kunst des Aufbaus und Erhalts einer geglückten Arzt-Patienten-Kommunikation sprach Maximilian Gottschlich, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Wien. „Die Grundlage einer kommunikativen Medizin ist das Mitgefühl. Ohne Mitgefühl kann es zwar eine effizienzorientierte Gesundheitsindustrie und medizinische Spitzenforschung, nicht jedoch eine Kultur des Heilens geben“, so der Experte. Das Erstellen oder Erlernen von rein technischen Kommunikationsmodellen reiche nicht für das Zustandekommen menschlicher Begegnung. Eine mitfühlende Medizin heißt nach Gottschlich, „besondere Sensibilität für die seelischen und emotionalen Bedürfnisse der Menschen“ zu entwickeln. „Wir müssen lernen, die Lebensbühne des Anderen zu betreten in einer Haltung des Dienstes.“ Positive, mitfühlende Kommunikation trage zudem nachweislich zum besseren Heilungsverlauf bei, wie internationalen Studien zeigen, betonte Gottschlich. Denn: „Kommunikation und Heilen gehören untrennbar zusammen“, so der Kommunikationsforscher.

Gelungene Kommunikation und Interaktion sei weniger eine Frage der Technik, als vielmehr „eine Frage von Persönlichkeit und Charakter“, erklärte der in Salzburg und den USA lehrende Philosoph und Theologe Clemens Sedmak (University of Notre Dame). Entscheidend sei die Fähigkeit, den anderen als Menschen wahrzunehmen und anzunehmen, weshalb der Umgang mit schwierigen Menschen der „Lackmustest für eine Ethik des alltäglichen Gesprächs“ sei. Keine noch so gute ethische Theorie könne dem Menschen die Arbeit abnehmen, an seiner Persönlichkeit zu arbeiten und Haltungen zu erwerben – einfach, indem man sich immer wieder darum bemüht, das Gute zu tun. Grundlegende Momente für ein „gutes Gespräch“ sind nach Sedmak u. a. das Wohlwollen, die Wahl des geeigneten Moments, das richtige Anfangen und Aufhören und die Bereitschaft, sich durch den anderen verändern zu lassen.

Auf dem Programm des mit 200 Teilnehmern ausgebuchten interdisziplinären Symposiums standen weiters auch die Herausforderungen der transkulturellen Kommunikation im Gesundheitswesen sowie die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Behandlungsteam.

Der Tagungsband zum Symposium Kommunikation am Krankenbett erscheint im Frühjahr 2019. Bestellung unter postbox@imabe.org bei IMABE (www.imabe.org) möglich.

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