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Jänner 2019

IMABE: „Kinder werden zunehmend zum Spielball experimenteller Wunschmedizin“

Österreichische Chirurgin Hildegunde Piza kritisiert jüngste Gebärmutter-Transplantationen

Eine 32-jährige Frau wurde in Brasilien erstmals Mutter, nachdem ihr die Gebärmutter einer hirntoten Spenderin transplantiert wurde. Das berichtet The Lancet (Vol. 392, Issue 10165, P2697-2704, December 22, 2018). Es ist die erste Geburt eines Kindes nach der Verpflanzung einer Gebärmutter einer Hirntoten. Die Organempfängerin wurde mit einer Gebärmutterfehlbildung geboren.

Seit 2013 wurden weltweit 39 Uterus-Transplantationen vorgenommen, alle Organe stammten von lebenden Spenderinnen. In 11 Fällen kam es danach zur Geburt eines Kindes. Der Aufwand, den Uterus einer Hirntoten zu transplantieren, sei zwar groß, räumen die Autoren rund um den Gynäkologen Dani Ejzenberg von der University of São Paulo ein. Künftig stünde damit aber eine „viel größere Anzahl an möglichen Spenderinnen zur Verfügung“. Nur wenige Frauen sind derzeit bereit, ihre Gebärmutter zu Lebzeiten zu spenden.

Das im Dezember 2017 geborene Mädchen entwickle sich laut Reproduktionsmediziner normal. Das Kind kam als Frühgeburt in der 36. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt zur Welt und wog 2550 g. Medienberichte zufolge sei das Kind „kerngesund“ (vgl. Süddeutsche Zeitung, online, 5.12.2018).

Die renommierte österreichische Chirurgin Hildegunde Piza steht solchen Eingriffen kritisch gegenüber. Im Gespräch mit IMABE gibt Piza zu bedenken, dass jede Transplantation von einem Menschen auf einen anderen – egal ob von Händen, Gesicht oder inneren Organen wie Herz, Lunge oder eben jetzt einer Gebärmutter – einen massiven Eingriff in das Immunsystem der Empfängerin bedeute, sodass zeitlebens Medikamente, die eine Abstoßung verhindern, eingenommen werden müssen. Genau aus diesem Grund habe man im brasilianischen Fall sofort nach dem Kaiserschnitt die Gebärmutter zum Schutz der Gesundheit der Mutter wieder entfernt.

„Es mutet schon etwas kühn an, zu sagen, man muss die Mutter vor belastenden Medikamenten schützen, zugleich aber so zu tun, als ob diese Medikamente während mehrerer Monate Schwangerschaft keinerlei Spuren im Kind hinterlassen haben könnten“, so Piza, die selbst Doppelhandtransplantationen durchgeführt hat. Im Gegenteil: „Bevor man derartige klinische Versuche weiter durchführt, müsste das Risiko für das Kind genau untersucht werden. Das verlangt das medizin-ethische Prinzip des Nicht-Schadens. Diese Studien liegen bisher nicht vor“, kritisiert Piza, Mitglied des IMABE-Wissenschaftsbeirates. Kinder würden zunehmend „zum Spielball einer experimentellen Wunschmedizin, die sich angesichts wachsender Märkte von sich aus keine Grenzen“ setze. Im Moment kostet eine Gebärmutter-Transplantation zwischen 300.000 bis 500.000 US-Dollar.

Foto: © Fotolia_207276669_Wellnhofer_Designs

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