Startseite   Das Institut   Mitarbeiter   Sponsoring   Kontakt/Impressum   Login   Suche
Februar 2019

Pflege: Experten fordern Ausbau der mobilen Pflege in Österreich

Schon jetzt können zahlreiche Stellen in der Pflege nicht nachbesetzt werden

Angesichts demographischer Verschiebungen und knapper werdender Ressourcen braucht es einen dringenden Ausbau der mobilen Pflege in Österreich. Diese spare Kosten und Personal und komme den Wünschen der Betroffenen, im eigenen Zuhause bleiben zu können, entgegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), die vom Hilfswerk in Auftrag gegeben wurde.

Dass Österreich vor einem Pflegenotstand steht, ist spät, aber doch zum Tagespolitikum geworden. In der aktuellen Studie rechnet das Wifo vor, was passieren würde, wenn man die stationäre mehr als die mobile Pflege forcieren würde. Das Wifo hat verschiedene Szenarien bis ins Jahr 2050 durchgerechnet und kommt zu folgendem Schluss: Ändert sich nichts am gegenwärtigen Versorgungsmix, dann ist bereits 2030 mit einer Kostensteigerung von fast 81 Prozent und bis ins Jahr 2050 von fast 332 Prozent zu rechnen. Anders gesagt: Die jährlich derzeit 2,09 Milliarden Euro Nettoausgaben für die Pflege würden bis 2050 auf 9,05 Milliarden ansteigen (vgl. Kurier, online, 17.12.2018). Baut man hingegen die mobilen Pflegedienste um 20 Prozent aus, könnte jährlich 664 Millionen eingespart werden.

Auch der Personalbedarf, der von 45.314 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente) auf knapp 63.000 bis 2030 und auf rund 103.000 bis 2050 steigen wird, könnte laut Wifo-Studienautoren Matthias Firgo und Ulrike Famira-Mühlberger gedrosselt werden: Bei einer 20-prozentigen Verlagerung zur mobilen Pflege wäre bis 2050 der Bedarf an Pflegepersonal um 15.400 Mitarbeiter geringer (vgl. Wiener Zeitung, online, 17.12.2018). In Österreich werden derzeit 84 Prozent aller Pflegegeldbezieher zu Hause gepflegt – 45 Prozent ausschließlich von Angehörigen, 32 Prozent unterstützt von mobilen Pflegediensten wie Hauskrankenpflege, Heimhilfe, mobile Therapie etc. Eine 24-Stunden-Betreuung wird von fünf Prozent in Anspruch genommen. Zwei Prozent nutzen teilstationäre Einrichtungen wie etwa Tageszentren, rund 16 Prozent werden stationär gepflegt.

Bis 2050 wird sich die Zahl der über 80-Jährigen verdoppeln, sodass rund 750.000 Menschen pflegebedürftig sein werden. Aktuell beziehen rund 456.000 Menschen Pflegegeld. Schon jetzt fehlen laut Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes, rund 6.000 Pflegende (vgl. ORF.at, online, 6.12.18). Die Regierung will bis Jahresende ein Pflegekonzept vorlegen. „Der Ausbau der stationären Pflege wird aufgrund der demografischen Entwicklung weiter nötig sein. Aber mit dem Ausbau der mobilen Pflege kann man den Kostenpfad zumindest dämpfen“, sagt Wifo-Forscherin Famira-Mühlberger. Insbesondere sollten Anreize geschaffen werden, um den Pflegeberuf attraktiver zu machen.

Der Wiener Soziologe und Altersforscher Franz Kolland tritt für einen „Wohlfahrtsmix“ in der Versorgung von alten Menschen ein: Es brauche ein Zusammenspiel von Staat, sozialen Dienstleistern und Unternehmen, den Angehörigen und den alten Menschen selbst. Für rein öffentliche Lösungen seien weder Finanzmittel noch Personal vorhanden, noch erscheine es humanitär wünschenswert (vgl. IMABE 12/2017).

Foto: © Fotolia_95577716_Ingo_Bartussek

^ Seitenanfang

<< voriger Monat   < voriger Artikel   nächster Artikel >   nächster Monat >>