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Imago Hominis (2006); 13(2): 89-104
Europa – morgen? Philosophische und kulturelle Einflüsse auf das Bild der Frau
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

Zusammenfassung

Im Gang durch die Kulturgeschichte zeigen sich im vorchristlichen Raum drei herkömmliche Asymmetrien zwischen Frau und Mann: im Bereich der Mutterschaft, im Bereich der Erotik und im Bereich der männlich akzentuierten Hochkulturen, in denen die Frau auf die Seite des „Anderen“ gerät. Die Frau im Christentum (auf der Basis des Judentums) erlebt eine Aufhebung dieser Asymmetrie auf grundsätzlichem Boden: beide Geschlechter sind sowohl menschlich als auch Ebenbilder des selben Ursprungs. Dennoch bleiben im geschichtlichen und erfahrungsmäßigen Raum der Lebenswelt die herkömmlichen Asymmetrien zum Teil auch stehen. Sind sie nur funktionsbedingt oder auch sinnvoll? Der Aufsatz gelangt zur These: Die gleiche Würde des Menschseins nimmt dem „bleibenden“ Unterschied seine Schärfe, seine Macht der Zerstörung des anderen. Angesichts der gleichen Würde und Gleichwertigkeit kann auch eine fruchtbare Asymmetrie gedacht und gelebt werden.

Schlüsselwörter: Mann und Frau, gender, Mutterschaft – Vaterschaft, leibferne Philosophie, leibbezogene Philosophie, Edith Stein

Abstract

Cultural history from the pre-Christian era shows three conventionally accepted asymmetries between women and men: One is pertaining to motherhood, one to eroticism, and one that is found in “high culture with masculine accentuation”, whereby women are switched over to “the other side”. Women in Christianity (based on Judaism) experience a suspension of this fundamental asymmetry: Both sexes are human as well as images of the same source. In spite of this, the conventional asymmetries seem to be sustained – at least in past – in the social environment which we experience today. Are these asymmetries based on functionality alone, or meaningful as well? This study concludes that the “sustained difference” is softened by the equal dignity of all humans, mitigating the power of destruction of the other. Considering equal dignity and value, a fruitful asymmetry could be viewed and lived.

Keywords: man and woman, gender, motherhood – fatherhood, philosophy without body, philosophy of body, Edith Stein

Anschrift des Autors:

Univ.-Prof. DDr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz
Lehrstuhl für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaften, Technische Universität Dresden
gerl(at)rcs.urz.tu-dresden.de

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