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Dezember 2006

Imago Hominis: Ab wann ist Therapieverzicht am Lebensende ethisch gerechtfertigt?

Experten legen Richtlinien für Ärzte bei ihrer Entscheidung für Therapiereduktion vor

Der Fall des 60-jährigen Italieners Piergiorgio Welby, der seit 27 Jahren an Muskeldistrophie litt und nach neun Jahren künstlicher Beatmung durch seine Anwälte forderte, dass die medizinischen Geräte zu seiner Lebenserhaltung abgeschaltet werden, hat erneut das schwierige Thema von Therapieeinsatz und Sterben lassen in die breite Öffentlichkeit gerückt. Welby starb am 21. 12. 2006, nachdem ein Arzt das Beatmungsgerät ausgeschaltet hatte. Dem Anästhesisten drohen wegen Totschlags bis zu 15 Jahre Haft. Die jüngste Ausgabe der medizinisch-ethischen Fachzeitschrift Imago Hominis greift das Thema „Künstliche Ernährung und Therapiereduktion“ auf wissenschaftlicher Ebene auf. Ein von IMABE eingesetztes Expertengremium unter der Leitung von Universitätsprofessor Friedrich Kummer legt darin ein Konsensuspapier vor, mit dem Ärzten eine Entscheidungshilfe bei der Frage nach Therapiereduktion- oder verzicht bei jenen Patienten geboten wird, die sich außerhalb der Intensivstation in einem Zustand chronischer Verschlechterung (Lebenserwartung von Wochen), Verlust der Autonomie und ohne Aussicht auf Entlassung befinden. Die Medizin-Professoren zeigen differenziert auf, in welchen Situationen auf den Einsatz von lebensverlängernden, weil nur leidensverlängernden Maßnahmen verzichtet werden darf (Einsatz von Künstlicher Ernährung, Beamtung, Antibiotika usw.) Die namhaften Experten – Intensivmediziner (K. Lenz), Internisten (G. J. Locker und M. Clodi), Neurologen (E. Auff und B. Voller, W. Kristoferitsch), Hämatologen (T. Wagner), Hygieniker (O. Janata) und Palliativmediziner (H. Watzke) – betonen dabei ausdrücklich, dass die Entscheidung auf Verzicht bzw. die Reduktion von Therapie „nicht aus einer Intention zu töten oder den Eintritt des Todes zu beschleunigen“ erwachsen darf, „sondern aus dem alleinigen Streben, den Sterbeprozess nicht weiter zu behindern.“ Die wertvollen medizinisch-ethischen Richtlinien richten sich an Ärzte und Pflegepersonen im Umgang mit sterbenden Patienten, wobei die Letztentscheidung im konkreten Fall immer dem verantwortlichen Mediziner obliegt, so die Autoren. Die Imago Hominis-Ausgabe 4/2006 mit dem Schwerpunkt „Künstliche Ernährung und Therapiereduktion“ findet sich unter http://www.imabe.org/index.php?id=imagohominis und kann als Einzelheft um EUR 10,– bezogen werden.

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