Startseite   Das Institut   Mitarbeiter   Sponsoring   Kontakt/Impressum   Login   Suche
April 2007

Österreich: „Pille danach“ ist kein Mittel, um Abtreibungszahlen zu verringern

Frauenministerin Bures kennt die Fakten nicht, „Nein“ zur rezeptfreien Abgabe muss bleiben

Wer die „Pille danach“ zum freien Verkauf in Apotheken anbietet, verniedlicht sowohl die frühabtreibende Wirkung als auch die hohe hormonelle Belastung des Präparats für Frauen, kritisiert IMABE. SP-Frauenministerin Doris Bures, die die Abgabe der so genannten „Morning-After-Pille“ in Österreich forderte – ohne Rezept und ohne Altersgrenze, also auch für Minderjährige. Bures begründet ihren Vorstoß damit, dass so „vielen Frauen eine oft sehr traumatische Abtreibung erspart bliebe.“ Die Ministerin dürfte die Fakten nicht kennen. Jüngste Studien in zehn Ländern, darunter in Großbritannien, haben gezeigt, dass die Zahl der Abtreibungen seit der rezeptfreien Abgabe der „Pille danach“ nicht wie erhofft ab-, sondern zugenommen hat. Das berichtete Anne Glasier vom Edinburgher Lothian Primary Care NHS Trust vor wenigen Monaten im British Medical Journal (2006; 333: 560-561, vgl. IMABE News-Archiv). So ließen im Jahr 1984 elf von 1000 Frauen in Großbritannien abtreiben, 2004 waren es achtzehn (!). Die „Notfallpille“ erweise sich angesichts von rund 190.000 Abtreibungen – Tendenz vor allem bei Teenagern steigend – als kein geeignetes Mittel, um Abtreibungszahlen zu verringern, folgert Glasier im BMJ. Unverständlich ist außerdem, wie eine Frauenministerin kritiklos die rezeptfreie Abgabe eines Präparates fordern kann, das für seine extrem hohe Hormonbelastung und damit gesundheitsschädigende Wirkung für Frauen bekannt ist. Eine einzige Dosis von 1,5 mg Levonorgestrel entspricht der Dosisbelastung einer ganzen Monatspackung eines konventionellen Kontrazeptivums. Zudem ist aus medizinischer Sicht klar festzuhalten, dass Levonorgestrel-Präparate wie Vikela® (seit 2000 in Österreich zugelassen) nicht bloß eine Schwangerschaft verhindern, sondern auch in einer beträchtlichen Zahl der Fälle frühabortiv wirken. Von der Pharmaindustrie wird diese einnistungshemmende Wirkung von Levonorgestrel in Beipacktexten angegeben. Die zuständige VP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky sprach sich gegen eine Rezeptfreigabe aus – und stützte sich damit auf die Empfehlung der Rezeptpflicht-Kommission. Durch die Rezeptpflicht werde gesichert, dass Frauen vor und nach der Einnahme ärztlich betreut werden, so Kdolsky.

Weitere Fakten zur „Pille danach“:
Rezeptfreie Abgabe der „Pille danach“: Ein Schritt in die richtige Richtung?, Dr. Marion Stoll, Dr. Walter Rella (Imago Hominis (2006); 13(1): 9-11)
Entwicklung und Wirkmechanismen der sog. „Pille danach“, Dr. Walter Rella (Imago Hominis (2000); 7(4): 254-255)

^ Seitenanfang

<< voriger Monat   nächster Artikel >   nächster Monat >>