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Juni 2007

Studie: Alkohol rafft fast die Hälfte der arbeitsfähigen Männer Russlands hinweg

Laut WHO ist Alkohol Hauptrisikofaktor für Todesfälle von Menschen zwischen 15 und 29 Jahren

Mit 59 Jahren ist die Lebenserwartung für Männer in Russland heute niedriger als in Bangladesh. Die Ursache liegt nach einer Studie im Lancet (2007; 369: 2001-2009) in den Trinkgewohnheiten. Insgesamt, so schätzen die Epidemiologen, sind 43 Prozent aller Todesfälle bei Männern auf den Alkoholkonsum zurückzuführen. Viele Russen sind Quartaltrinker und schrecken auch nicht vor Eau de Cologne, Antiseptika oder medizinischen Tinkturen zurück, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 15. Juni 2007). Tinkturen und Reinigungsmittel enthalten bis zu 97 Prozent Alkohol und sind überdies steuerfrei. Damit sind die nicht für den Verzehr bestimmten Ethanole bis zu sechsfach günstiger als Wodka, was für viele russische Männer offenbar mehr zählt als alle gesundheitlichen Bedenken. Und dies könnte nach einer Analyse von David Leon von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (Pressemitteilung) ein Grund für die hohe Sterberate unter russischen Männern sein. Die Wissenschafter hatten nach Gründen gesucht, warum die Todesrate unter Russen im arbeitsfähigen Alter dreieinhalb Mal so hoch ist wie unter Briten in der gleichen Altersgruppe. Anfang der 90er-Jahre wurde in Russland ein starker Anstieg der Sterblichkeit beobachtet. Dabei scheint nicht nur das Trinken von Alkohol, sondern der „problematische Alkoholkonsum“ eine Rolle zu spielen: mehrtägige Alkoholexzesse, in denen die Männer sich dem normalen sozialen Leben entziehen. Exzessives Trinken verdreifacht nach einer Berechnung der Autoren das Sterberisiko. Besonders problematisch sei in Russland der Konsum von billigem gepanschtem Alkohol, der oft zu akuter Alkoholvergiftung führe, die bei 41 Prozent der Verstorbenen angegeben wurde. Das ergibt nach Berücksichtigung des Alters ein mehr als 9-faches Sterberisiko. Laut WHO ist Alkoholismus weltweit in 2,3 Millionen Fällen hauptverantwortlich für frühzeitige Todesfälle. Das sind rund vier Prozent aller Todesfälle. Bei den Todesfällen von Menschen zwischen 15 und 29 Jahren ist Alkohol Hauptrisikofaktor. Insgesamt konsumieren weltweit zwei Milliarden Menschen Alkohol. In Europa trinken knapp 87 Millionen Menschen – das sind zehn Prozent der Bevölkerung – regelmäßig Alkohol in solchen für die Gesundheit gefährlichen Mengen.

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