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Juli 2007

Public Health: Mediziner fordern bessere Verschreibungspraxis bei älteren Menschen

Laut Lancet sind gefährliche Wechselwirkungen von Medikamenten kaum erforscht

Älteren Menschen werden zu oft und zu viele Medikamente verordnet, ohne dass eine klinische Notwendigkeit vorliegt, sie erhalten ungeeignete Präparate oder auch zu selten ausgerechnet jene Medikamente, die sie tatsächlich benötigen. Einer europäischen Studie zufolge erhielt ein Fünftel aller zu Hause versorgten älteren Patienten zumindest ein unpassendes Medikament verschrieben. Diese aus der Public Health-Perspektive besorgniserregenden Fakten müssen vermehrt diskutiert werden, fordern Anne Spinewine und ihre Kollegen vom Centre for Clinical Pharmacy an der Université catholique de Louvain. Die Autoren behandeln im Lancet (2007; 370: 173-184) u. a. die verschiedenen Prozesse hin zu einer optimierten Verschreibungspraxis bei älteren Patienten, darunter die Hilfe eines geriatrischen multidisziplinären Teams, die Einbindung von Pharmazeuten bei der Patientenversorgung sowie der Patienten selbst und ihrer Erwartungen in den Verschreibungsprozess. Eine europäische Studie an 1601 älteren ambulanten Patienten aus sechs Ländern ergab, dass 46 Prozent von ihnen zumindest eine potenziell signifikante Medikamenten-Wechselwirkung hatten, wovon wiederum 10 Prozent als ernsthaft angesehen wurden. Eine weitere Studie berichtete, dass 37 Prozent der Patienten Medikamente ohne das Wissen ihres Arztes einnahmen, während sechs Prozent Medikamente nutzten, die nicht auf der Verschreibungsliste ihres Arztes standen. Viele Medikamenten-Wechselwirkungen sind zwar genau beschrieben, jedoch wird ihre Feststellung zunehmend schwieriger, da Patienten mehrere Medikamente verordnet bekämen. Diskutiert wird auch die Gefahr, dass weitere Medikamente zur Behandlung der Nebeneffekte einer Medikamenten-Wechselwirkung verschrieben werden, wobei die Symptome zuvor als neue medizinische Störung fehl interpretiert wurden. Um zu einer angemessenen Medikamentenverschreibung zu kommen, fordern die Autoren mehr klinische Studien, die die Wechselwirkung zwischen den Präparaten und damit verbundenen negativen gesundheitlichen Folgen erfassen.

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