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Juli 2007

IVF: Propagierte Vorteile der Präimplantationsdiagnose wissenschaftlich nicht haltbar

Gencheck von Embryonen verringert Erfolgsrate bei Schwangerschaften

Wer sich zu einer künstlichen Befruchtung entschließt, wird heute dazu angehalten, eine Präimplantationsdiagnose beim Embryo durchführen zu lassen. Nicht nur, um Kinder wegen möglicher genetischer Schäden frühzeitig zu selektionieren (Gencheck), sondern auch, um die Chromosomenzahl des Embryos und damit seine Überlebenschance zu prüfen. Dazu entnimmt man dem Embryo in einem frühen Entwicklungsstadium, dem Acht-Zell-Stadium, eine Zelle (Blastomerbiopsie) oder ein Eizell-Kompartment (Polkörper). Der Test kostet lautet New York Times (online, 5. Juli 2007) zwischen 3.000 und 5.000 US-Dollar. Implantiert man nur jene Embryonen, die chromosomal unauffällig sind, würde sich die (immer noch niedrige) Erfolgsrate der In-vitro-Fertilisierung erhöhen, argumentierten bislang Reproduktionsmediziner. Stimmt nicht, zeigt jetzt eine im New England Journal of Medicine (2007; 357: 9-17) veröffentlichte Studie. Statt einer verbesserten Schwangerschaftsquote und einer erhöhten Zahl gesund geborener Kinder, sank die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft durch den Screening-Test um 30 Prozent, sagt Studienleiter Sebastian Mastenbroeck, Reproduktionsmediziner an der Universität Amsterdam. In Österreich ist der Gencheck gesetzlich verboten, allerdings wird die Polkörper-Diagnose angeboten und durchgeführt. In vielen europäischen Ländern und den USA ist die PID freigegeben, angeblich um die Chancen für eine Schwangerschaft zu erhöhen, insbesondere bei Frauen über 35. Die Wirksamkeit des Verfahrens wurde jedoch nie bewiesen. Volker Herzog, Vorstand des Instituts für Zellbiologie der Universität Bonn, hat bereits darauf hingewiesen, dass Blastomere bei Säugern nicht gleichwertig sind, weshalb es früher oder später zu Entwicklungsdefekten nach Eingriffen kommen kann (Herzog V., Forschung am Puls des Lebens. Der Wissenschaftler zwischen Neugier und Selbstbeschränkung, Imago Hominis (2005); 12(2): 83-93) Es sei besser, ganz auf diese Diagnostik zu verzichten, resümiert NEJM-Editorialist John Collins (NEJM 2007; 357: 61-63).

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