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Oktober 2007

Stammzellen: Fortschritte bei ethisch sauberen Alternativen

Deutschland will angesichts von Therapieerfolgen und neuen Entdeckungen adulte Stammzellforschung fördern

CDU-Forschungsministerin Anette Schavan stellte klar, dass sie aus ethischen Gründen langfristig „komplett ohne embryonale Stammzellen auskommen“ will. Damit wendet sie sich indirekt gegen jene deutschen Forscher, die die derzeit geltende Stichtagsregelung für die Forschung mit ES-Zellen in Deutschland aufweichen wollen. Adulte Stammzellen werden aus körpereigenem Gewebe gewonnen und vermeiden das ethische Dilemma der Tötung von Embryonen. Es gebe berechtigte Hoffnung, so Schavan, „dass in der adulten Stammzelle mehr Möglichkeiten stecken als bisher angenommen“. Als erste Geste stellt das deutsche Forschungsministerium ab Herbst 2007 fünf Millionen Euro für neue Projekte mit adulten Stammzellen bereit, so die Financial Times Deutschland (online, 10. September 2007), was immer noch sehr wenig ist im Vergleich zur Förderung von Projekten mit ES-Zellen.

Unter den jüngsten Forschungsergebnissen wurde als herausragender Erfolg die Stammzellbehandlung eines Herzinfarkt-Patienten nach einem kardiogenen Schock gewertet, berichtet das Deutsche Ärzteblatt (online, 17. September 2007). Die Gruppe rund um Bodo-Eckehard Strauer, Direktor der Düsseldorfer Universitätsklinik für Kardiologie entschloss sich, im Falle eines 64-jährigen Patienten, bei dem sich sieben Wochen nach einem schweren Herzinfarkt und zwei Vor-Infarkten keine Besserung seines lebensbedrohenden Zustands abzeichnete, zu einer Stammzell-Therapie. Dabei wurden adulte Stammzellen aus dem Knochenmark des Patienten mit Hilfe eines Ballon-Katheters in die Infarkt-Arterie gespritzt. Neun Tage danach habe der Patient die Intensivstation verlassen und zwei Wochen später in eine normale Reha-Klinik verlegt werden können, heißt es in der Publikation des Falls in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2007; 132: 1944-1948). Strauer gilt weltweit als einer der Pioniere der Stammzelltherapie. Der Kardiologe hatte vor sechs Jahren erstmals über eine Stammzelltherapie des Herzinfarktes berichtet (Dt Med Woschr 2001; 126: 932-938) – damals eine Weltpremiere. Seither hat er mehr als 300 Patienten behandelt. Der Therapieansatz wurde mittlerweile in mehreren randomisierten kontrollierten Studien untersucht. Er hat sich dort als sicher und durchführbar erwiesen.

Auch in der Grundlagenforschung trifft man auf immer mehr Möglichkeiten adulter Stammzellen, sich zu anderen Gewebetypen zu entwickeln. US-Forschern ist es gelungen, adulte Stammzellen aus dem Hoden von Mäusen zu isolieren und sie im Labor in Endothelien (Auskleidung der Blutgefäße) oder Muskelzellen auszureifen. Im Tiermodell kam es sogar zur Bildung von Blutgefäßen, berichten die Forscher in Nature (2007; 449: 346-350). Männliche Hoden könnten „eine einfach verfügbare Quelle für Stammzellen sein mit der gleichen Kapazität, neues Gewebe zu erschaffen wie embryonale Stammzellen“, sagte Studienleiter Shahin Rafii vom Weill Cornell Medical College. Derzeit laufen die ersten Versuche mit Zellen aus menschlichen Hoden.

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