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November 2007

Public Health: Lancet fordert breite Allianz im Kampf gegen Adipositas

Krebsrisiko und Gelenksbelastungen durch Fettleibigkeit stark erhöht

Die Studien sprechen klare Worte: Adipositas nimmt pandemische Ausmaße mit schweren Folgen für Menschen und Gesundheitssysteme an. The Lancet mahnt deshalb im Leitartikel (2007; 370: 1521) mit Fokus auf Großbritannien einen „unpolitischen und überregionalen Ansatz zur Bewältigung der epidemischen Fettleibigkeit“, der auch Nahrungsmittelerzeuger zur Verantwortung zieht. 23 Prozent der Erwachsenen in England gelten als fettleibig, verglichen mit 12,6 Prozent in anderen Staaten der Europäischen Union vor 2004. Ein Fünftel bis ein Drittel aller Kinder gilt als übergewichtig. Ohne weitreichende und rasche Maßnahmen würden demnach im Jahr 2050 60 Prozent aller Männer und die Hälfte aller Frauen in Großbritannien schwer übergewichtig sein. Die Fälle von Diabetes Typ II würden sich um 70 Prozent steigern, Schlaganfälle um 30 Prozent, koronare Herzerkrankungen um 20 Prozent häufiger vorkommen. Fettleibigkeit bei Kindern ist bei weitem nicht nur ein britisches Phänomen: Rund 22 Millionen Kinder in der EU leiden an Übergewicht, jedes Jahr steigt die Zahl Berechnungen zufolge um weitere 400.000. Auch deutsche Experten schlugen kürzlich Alarm: Von den drei- bis 17-Jährigen seien rund 15 Prozent übergewichtig und etwa sechs Prozent fettsüchtig – Tendenz stark steigend. Zwei Drittel der fettsüchtigen Kinder hätten nach einer Analyse niemals gemeinsam im Familienkreis am Tisch gegessen.

Nach einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2007; 298: 2020-2027) leiden adipöse Menschen heute unter stärkeren funktionellen Einschränkungen und Belastungen der Gelenke als noch vor 15 Jahren. Außerdem steigt das Krebsrisiko erheblich an, wie eine Analyse der Million Women Study im British Medical Journal jüngst bei übergewichtigen Frauen dokumentierte. Der Lancet-Leitartikel stellt fest: „Die Menschen mit Vorwürfen zu maßvollerem Essen und mehr Bewegung anzuhalten, ist vergeblich, solange energiereiche Nahrung billiger und leichter verfügbar ist als gesündere Alternativen. (…) Hochwertigere Nahrung und gesunde Aktivitäten müssen so wünschenswert und leicht verfügbar werden, dass sie normal erscheinen, während die ungesunden Varianten so lästig und unzeitgemäß werden müssen, dass ihr Konsum abschreckend wirkt.“ Das positive Beispiel Finnlands wird angeführt – vormals weltweit führend bei Herz-Kreislauf bedingten Todesfällen –, wo nun 94 Prozent der 19- bis 65-jährigen Bevölkerung regelmäßig Sport treiben, Kinder ausgewogene Mahlzeiten in der Schule erhalten, sich der Obst- und Gemüsekonsum verdreifacht hat und die Fettleibigkeit unter Erwachsenen auf 12,8 Prozent gesunken ist.

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