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November 2007

Stammzellen: Steht Deutschland vor einem weiteren Dammbruch?

Reproduktionsmediziner instrumentalisiert Wissenschaft für eigene Zwecke

Seit Monaten wird in Deutschland über eine Änderung des Stammzellgesetzes diskutiert. Immer deutlicher wird dabei die Allianz zwischen Reproduktionsmedizinern und der Lobby für die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen (hESZ). So macht sich die Deutsche Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (DGRM) derzeit für eine völlige Aufhebung des Stammzellengesetzes stark. Anscheinend geht es dabei nicht um die Wissenschaft, sondern vielmehr um Politik, konstatiert die Tagespost (06. 11. 2007). Denn die Reproduktionsmedizin wird als Fach wohl nicht von embryonaler Stammzellforschung profitieren. Ihre Patientinnen haben nämlich das Interesse, ihre Embryonen möglichst auszutragen, nicht aber, sie als Quelle einer Stammzelllinie der Forschung zu opfern. Viel eher wird hier die Stammzellenforschungsdebatte vorgeschoben, um das Embryonenschutzgesetz zu Fall zu bringen und durch ein „modernes Fortpflanzungsmedizingesetz“ zu ersetzen, so die Forderung der DGRM. Damit wäre der Weg für umstrittene Verfahren wie die Präimplantationsdiagnostik (PID) und andere Eingriffe am Embryo geebnet. Gegen eine Aufweichung des bestehenden deutschen Stammzellgesetzes hat sich Lukas Kenner, Professor am Klinischen Institut für Pathologie an der Medizinischen Universität Wien, im Rheinischen Merkur (01. 11. 2007) ausgesprochen. „Die in der Öffentlichkeit geschürten Erwartungen therapeutischer Anwendungen von hESZ wurden sämtlich enttäuscht. Es gibt keine einzige Therapie mit hESZ“, betonte Kenner. Jüngste Ergebnisse zeigen, dass klinische Anwendungen nur mit jenen Stammzellen zu erwarten seien, die „adulte“ Eigenschaften haben. Das bestätigte überraschenderweise auch Robert Edwards, Pionier der In-vitro-Fertilisation (IvF) und „Vater“ des ersten Retortenbabys vor seinen deutschen Kollegen - und sorgte damit Anfang November in Berlin als Gast einer von der DGRM organisierten Tagung für einige Irritation. Edwards stellte klar, dass er die Zukunft nicht in den embryonalen, sondern den adulten Stammzellen sieht. Für politischen Wirbel sorgte, dass die DGRM-Veranstalter den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler als Redner angeführt hatten, ohne dass er seine Teilnahme je in Aussicht gestellt hatte.

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