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Dezember 2007

Stammzellenforschung: Durchbruch bahnt Weg zu ethisch sauberer Alternative

Hautzellen wurden erfolgreich zu quasi-embryonalen Stammzellen zurückprogrammiert

Zwei Forscherteams aus Japan und den USA ist unabhängig voneinander ein entscheidender Durchbruch in der Stammzellforschung gelungen. Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto und James Thomson von der Universität Wisconsin in Madison gelang es mit ihren Mitarbeitern, menschliche Hautzellen zu einer Art embryonaler Stammzellen zurückzuprogrammieren (Cell 2007; 131: 861–872, Science, DOI: 10.1126/science.1151526). Die beiden Forscherteams haben spezialisierte menschliche Haut- und Bindegewebszellen durch Einschleusen von vier Genen mittels Viren so umprogrammiert, dass diese Zellen praktisch sämtliche Merkmale embryonaler Stammzellen aufwiesen. So glichen laut den Forschern die reprogrammierten Zellen, so genannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS), in ihrer Oberflächenstruktur und in Bezug auf wichtige genetische Marker embryonalen Stammzellen. Auch seien sie in der Lage gewesen, sich in die drei Hauptgewebetypen zu verwandeln, aus denen im Verlauf der embryonalen Entwicklung des Menschen sämtliche Gewebetypen hervorgehen. Allerdings habe das Muster der Genaktivität bei den reprogrammierten Zellen nicht völlig mit dem embryonaler Stammzellen übereingestimmt. Eine Hürde ist, dass man die vier Genregulatoren zur Verjüngungskur der Hautzellen mit Hilfe von potenziell krebsauslösenden Retroviren eingeschleust hatte. Doch auch dieses Problem scheint nicht unüberwindbar, wie Yamanka inzwischen in einer weiteren Publikation in Nature Biotechnology (doi:10.1038/nbt1374) zeigen konnte. Es sei dem Forscherteam nun gelungen, die Stammzellen ohne die Verwendung des Krebsgens c-Myc herzustellen, das bei vielen Labormäusen zu Tumoren geführt hatte. Diese Stammzellen seien qualitativ gut, berichtete Yamanaka, allerdings werde das Wachstum der so produzierten Zellen erheblich verlangsamt. In einem nächsten Schritt müsse jetzt das Wachstum der Labor-Stammzellen mit einem harmlosen Ersatz für das Krebsgen gefördert werden. Interessant ist, dass Yamanaka und Thomson als Vergleichsmaterial für die neuen „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS) die weltältesten (!), seit 1998 bei den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA (NIH) registrierten menschlichen embryonalen Stammzellen verwendeten und für völlig geeignet befanden. Offenbar sind diese ES-Zelllinien doch nicht so „veraltet“, wie von Befürwortern der verbrauchenden Embryonenforschung immer wieder behauptet wird.

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